News

Montag, 27. Juni 2016

Außer Sinnen: Lydia Benecke - Seltsam vs. psychopathisch




Den "Sadisten von Höxter" - so nennt die B.Z. den Mann, der gemeinsam mit seiner Partnerin mehrere Frauen systematisch gefoltert haben soll, zwei von ihnen bis in den Tod. Doch es gibt auch Sadisten anderer Art: Menschen, die sich einvernehmlich in ein erotisches Spiel von Dominanz und Unterwerfung einlassen. Beide lassen sich klar untescheiden, ist die forensische Psychologin Lydia Benecke überzeugt.

Was aber unterscheidet eine harmlose, wenngleich ungewöhnliche sexuelle Vorliebe von eine Störung, die sogar in Verbrechen münden kann? Lydia Benecke arbeitet als psychologische Therapeutin im Gefängnis mit verurteilten Sexual- und Gewaltstraftätern und beschäftigt sich wissenschaftlich mit solchen Fragen. Morgen, 28. Juli 2016, berichtet sie im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Außer Sinnen" von ihrer Arbeit und ihren Forschungen.

Restkarten sind an der Abendkasse erhältlich.

Dienstag, 28. Juni 2016, 19.30 Uhr
Nicolaus-Copernicus-Planetarium Nürnberg
Außer Sinnen:
Lydia Benecke: Seltsam vs. psychopathisch - ungewöhnliche sexuelle Vorlieben aus psychologischer Sicht
Eintritt. 7,- € (erm.: 5,- €)
Buchung über BZ Nürnberg, Kurs 00933
#AußerSinnen

Zum Weitelesen und -schauen: 
  • Video: Lydia Benecke bei Hoaxilla TV
  • Lydia Benecke: Auf dünnem Eis. Die Psychologie des Bösen. Lübbe, Köln 2013
  • Lydia Benecke: Sadisten: Tödliche Liebe - Geschichten aus dem wahren Leben. Lübbe, Köln 2015 

Montag, 20. Juni 2016

Symposium 2016: Bewegung, Lernen, Motivation


Nach dem Lernen ab zum Sport! Klar, wer möchte sich nicht nach langer Paukerei direkt so richtig austoben? Fürs Gedächtnis ist es allerdings besser, vier Stunden zu warten, ehe man sich in die Laufschuhe, aufs Fahrrad oder ins Fitnesscenter begibt. Mit diesem Versuchsergebnis überrascht nun ein Forscherteam aus den Niederlanden die Fachwelt. 

Die Wissenschaftler um Guillén Fernández (Radboud University Medical Center in Nijmegen), Referent beim Symposium turmdersinne 2015, ließen ihre Versuchspersonen zunächst 90 Kombinationen aus jeweils einem Ort und einem Bild auswendig lernen. Dafür bekamen sie 40 Minuten Zeit. Anschließend schickten die Forscher eine Probandengruppe sofort aufs Fahradergometer, eine zweite kam nach vier Stunden an die Reihe und die dritte Gruppe absolvierte gar kein Training.

Wie gut sich die Versuchspersonen an das Gelernte erinnerten, wurde 48 Stunden später geprüft. Dabei schnitt die Gruppe mit vier Stunden Pause am besten ab, während die inaktiven Probanden und die Gruppe mit Sportprogramm unmittelbar nach der Lerneinheit schlechter abschnitten – überraschenderweise beide auf dem gleichen Niveau.

Hirnscans während der Gedächtniskontrolle spiegeln das Ergebnis wieder. So zeigte die erfolgreichste Gruppe eine vermehrte Aktivität im Hirnareal Hippocampus, das neue Eindrücke ins Langzeitgedächtnis überführt. 

Warum ausgerechnet die vierstündige Pause als Erinnerungs-Booster wirkt, ist noch ungeklärt. Die Forscher vermuten, dass dabei eine bestimmte Stoffgruppe eine Rolle spielt: die Katecholamine, zu denen auch die Neurotransmitter Dopamin und Noradrenalin gehören. Bereits seit längerem länger ist bekannt, dass Katecholamine beim Sport vermehrt ausgeschüttet werden, und im Versuch mit Tieren zeigten diese Stoffe Einfluss auf die Gedächtnisfunktionen.

Was die Wirkung beim Menschen betrifft, sehen die Forscher um Fernandez bereits konkrete Anwendungsmöglichkeiten in den Bereichen Bildung oder klinische Betreuung. Auf weitere Forschungen dürfen wir gespannt sein.

Mit der Rolle körperlicher Aktivität beim Lernen hat sich auch der Lernforscher Prof. Martin Korte von der TU Braunschweig beschäftigt. Demnach kann Bewegung bei Kindern und Jugendlichen schädliche Einflüsse durch Stress lindern. Eine zentrale Rolle spielen die dabei ausgeschütteten körpereigenen Opiate, so Korte in seinem Buch "Wie Kinder heute lernen":
Die sogenannten Endorphine, treten nicht nur mit den Nervenzellen in der Großhirnrinde in Wechselwirkung, sondern auch und vor allem mit Arealen des limbischen Systems, welches von herausragender Bedeutung ist. Es spielt aber auch für Motivation und Antrieb – essentielle Komponenten jeden Lernens – eine wichtige Rolle. (…) Generell gilt, dass Bewegung direkt über die motorischen Areale im Gehirn, aber auch indirekt über Endorphine und andere Substanzen die Reifung des Gehirns fördert. Hingegen werden Faktoren, die stressbedingt das heranwachsende Gehirn schädigen könnten, durch Bewegung gehemmt bzw. abgebaut.
Unerlässlich für den Lernerfolg ist nach Korte vor allem eines: Neugierde. Was dies für eine Lernbedingungen bedeutet, erklärt er beim Einführungsabend des Symposiums turmdersinne 2016 am Freitag, 30. September 2016.


Was treibt uns an?  
Motivation und Frustration aus Sicht der Hirnforschung  
30. September bis 2. Oktober 2016, Stadthalle Fürth    
Anmeldung 
#symp2016 


Zum Weiterlesen: 
  • Eelco van Dongen, Ingrid H. P. Kersten, Isabelle C. Wagner, Richard G. M. Morris, Guillén Fernandez: Physical Exercise performed four hours after learning improves memory retention and increases hippoampal similarity during retrieval. Current Biology.
  • Martin Korte: Wie Kinder heute lernen: Was die Wissenschaft über das kindliche Gehirn weiß - Das Handbuch für den Schulerfolg. Deutsche Verlags-Anstalt 2009.

Montag, 13. Juni 2016

Außer Sinnen: Evolution - Affengeil oder Holy Shit?

Sind wir Menschen Krone der Schöpfung oder Produkt der Evolution? Für viele Deutsche ist die Antwort nicht so klar, wie die wissenschaftliche Beweislage erwarten ließe. Bei einer Umfrage des Allensbach-Instituts 2015 vertraten nur 54 Prozent der Befragten die Ansicht, dass sich der Mensch ohne Eingreifen eines Schöpfers entwickelt hat.

Dagegen glaubten 40 Prozent der Katholiken und 35 Prozent der Protestanten an eine Schöpfung, bei den Konfessionslosen waren es nur 10 Prozent. Unter den häufigen Kirchgängern äußerten sich sogar 65 Prozent im Sinne eines Schöpfungsglaubens.

Kann uns das egal sein? Natürlich nicht, ist die Biologin Anna Beniermann überzeugt. Denn die Kontroverse zwischen Wissenschaft und Ideologie bzw. Glauben ist weitaus mehr als eine Streiterei im Elfenbeinturm. Vor allem, wenn die Evolutionstheorie bereits im Schulunterricht zu kurz kommt, können die Folgen für die Gesellschaft verheerend sein, so Beniermann:
Rassistische Positionen beruhen auf einem Denken in Schubladen, was häufig zu aktiver Ausgrenzung führt. Die Evolutionsbiologie hingegen rückt die gemeinsame Abstammung und damit die Gemeinsamkeiten aller Menschen - und aller Lebewesen - in den Fokus. So bietet evolutionäres Denken die Chance, dass Menschen sich als Teil einer Menschheit betrachten und nicht als Teil einer bestimmten Menschengruppe.

Der Mensch als Krone der Schöpfung wird durch die Evolutionstheorie in Frage gestellt. Daraus folgt, dass der Mensch kein gottgegebenes Nutzungsrecht an der Natur hat, sondern Teil des Ökosystems Erde ist und ein nachhaltiger Umgang mit Ressourcen daher im Interesse aller Menschen sein sollte.
Doch wie kommt es trotz aller wissenschaftlichen Gegenargumente zum Boom von Kreationismus und verwandten Anschauungen? Als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Biologiedidaktik der JLU Gießen befasst sich Beniermann eingehend mit der Frage, welche Persönlichkeitsfaktoren die Einstellung eines Menschen zur Evolutionstheorie beeinflussen.


Und sie hat sich Gedanken darüber gemacht, wie sich das Thema in den Biologieunterricht einbinden lässt. Mehr dazu in ihrem Vortrag am Dienstag, 14. Juni 2016, in der Veranstaltungsreihe "Außer Sinnen".

Dienstag, 14. Juni 2016
Nicolaus-Copernicus-Planetarium Nürnberg
Außer Sinnen:
Anna Beniermann: Evolution - Affengeil oder Holy Shit?
Eintritt. 7,- € (erm.: 5,- €)
Buchung über BZ Nürnberg, Kurs 00932
#AußerSinnen

Samstag, 11. Juni 2016

Symposium 2016: Das Programm



Lust auf Leistung? Klar - sofern die Motivation stimmt. Etwa wenn eine Mühe langfristig belohnt wird. Warum sonst hätten wir an der Uni wochenlang für die Abschlussklausur gelernt, statt die Zeit auf Partys zu vertrödeln? Im Beruf freuen wir uns über die Gehaltserhöhung - solange wir dabei mindestens so viel Plus machen wie die Kollegen. Und nach Feierabend rein in die Joggingschuhe und losgelaufen. Das Bier danach haben wir uns redlich verdient - oder? 

Dank der Hirnforschung kennen wir heute die Reize, die das Belohnungszentrum im Gehirn aktivieren. Auch Psychologen, Sozialwissenschaftler und andere Forscher haben sich eingehend mit den Mechanismen der Motivation beschäftigt.

Ihre Erkenntnisse ragen tief in unseren Alltag hinein. So wünschen sich Lehrende und Führungskräfte  leistungsfreudige, produktive Schüler und Mitarbeiter. Und wer möchte nicht erfahren, durch welche Strategien wir die eigenen Leistungen optimieren und schlechte Angwohnheiten ablegen können?

Doch die aktuelle Forschung widmet sich auch den negativen Aspekten des modernen Leistungs- und Motivationsbooms. Heute wissen wir, dass übertriebene Erwartungen gerade ehrgeizige Persönlichkeiten leicht in Frustration und Burnout abgleiten lassen - eine wertvolle Basis für Präventionsarbeit.

Vergleichbare Perspektiven ermöglicht auch ein anderer Zweig der Motivationsforschung: Um Aggressionen zu begreifen, muss man verstehen, was die Täter angetrieben hat.

Um diese und andere Aspekte des vielschichtigen Themas Motivation geht es beim Symposium turmdersinne, das vom 30. September bis 2. Oktober 2016 in Fürth stattfindet. Das komplette Programm finden Sie hier. Sichern Sie sich schon jetzt Ihre Tickets und diskutieren Sie mit renommierten Referentinnen und Referenten. Das turmdersinne-Team freut sich auf spannende Debatten!

Symposium turmdersinne 2016  Was treibt uns an? Motivation und Frustration aus Sicht der Hirnforschung 30. September bis 2. Oktober 2016, Stadthalle Fürth  
Anmeldung 
#symp2016 
 

Zum Weiterlesen: 

Montag, 6. Juni 2016

Symposium 2016: Interview mit Prof. Christian Elger


Prof. Christian Elger leitet die Klinik für Epileptologie an der Uni Bonn und steht gemeinsam mit Prof. Martin Korte als Einführungsreferent beim Symposium turmdersinne am 30. September 2016 auf der Bühne. Helmut Fink hat sich mit ihm unterhalten.


Helmut Fink: Jede unserer Entscheidungen beruht auf neuronalen Prozessen. Hilft Ihnen die Kenntnis dieser Mechanismen bei eigenen Entscheidungen?

Christian Elger: Natürlich hilft diese Vorstellung nicht. Zwar ist die Leistung des Gehirns sehr komplex, im Einzelfall jedoch läuft ein Entscheidungsprozess auf festen Schienen. Das Verständnis für diese Entscheidungsprozesse hilft uns sicher dabei, Entscheidungen zu überdenken und zu verstehen – und sie gegebenenfalls, wenn nötig, zu modifizieren.

Sehen Sie in der Hirnforschung einen nachweisbaren Nutzen für Motivationsseminare und Coachingangebote?

Die Antwort ist ganz klar: Ja. Das Gehirn reagiert anders, als wir denken. Viele Prozesse sind sehr archaisch, weil wir wahrscheinlich über 90 % der Menschheitsgeschichte in kleinen Sozialisationen zugebracht haben – „in Höhlen“, wenn Sie so wollen. Die dort notwendigen Mechanismen sind in der heutigen Zeit nicht mehr angebracht und sollten auch korrigiert werden. Trotzdem stecken sie so tief in uns drin, dass sie noch immer unser Erleben und Verhalten bestimmen. Hinzu kommt, dass unser Belohnungssystem nicht auf das Honorieren von rationalen Entscheidungen angelegt ist.
Die Hirnforschung hilft nicht beim Training, aber sie schafft so viel Verständnis, dass man mit ihr wahrscheinlich besser coachen kann und auch die Teilnehmer solcher Seminare besser motivieren kann.

Liegt in Erkenntnissen der Neuroökonomie eine Gefahr für Konsumenten? Wenn ja, wie kann man sich dagegen schützen?

Gewiss gibt es diese Gefahr. Dies liegt daran, dass es an der Weiterbildung der Konsumenten hapert. Alle unsere Erkenntnisse sind öffentlich zugänglich, und in zahlreichen Vorträgen vor Laien in Volkshochschulen und ähnlichen Einrichtungen trage ich zu ihrer Vermittlung bei.
Die Gefahr ist natürlich keine neue: Vor allem Diktaturen nutzen massiv die diversen Möglichkeiten zur Beeinflussung von Menschen und wie wir wissen fallen viele darauf herein. Aus meiner Sicht hilft Neuroökonomie beim Verstehen beider Seiten, der Marketing-Seite und der der Konsumenten.

Wie würden Sie das Verhältnis der Neurowissenschaften zur Philosophie beschreiben?

Dieses Verhältnis kann ich nicht beschreiben. Ich bringe Philosophen eine große Achtung entgegen und habe zahlreiche Diskussionen mit ihnen geführt, bin aber auf ihrem Gebiet wenig gebildet. Ich habe das Gefühl, dass hier zwei Welten aufeinander treffen. Die philosophische Welt ist eine gut durchdachte, die sehr eloquent vorgetragen wird. Die Neurowissenschaft verfügt über Erkenntnisse, manchmal nur aus einzelnen Experimenten, und versucht zu verallgemeinern. Beide Wissenschaftsrichtungen sind aber kein Gegensatz. Sie sollten sich ergänzen, durch viele Diskussionen.

Sie waren der (alphabetische) Erstautor des vielzitierten Manifests „Hirnforschung im 21. Jahrhundert“, das 2004 in der Zeitschrift Gehirn und Geist erschien. Wo sehen Sie
seither die größten Fortschritte?


Das Manifest gibt eine Sammelmeinung wieder. Wir wollten damit ein wenig relativieren, was andere sehr pointiert und wahrscheinlich auch etwas überzogen dargestellt hatten.
Die Frage des freien Willens ist eine Frage der Konsequenzen daraus. Neurobiologisch ist ein Entscheidungsprozess eine Mischung aus chemischen und elektrischen Abläufen im Gehirn. Erst im Einzelfall, wahrscheinlich ausgelöst durch einen Schlüsselreiz, kann dieser Prozess durch Erziehung, auch Selbsterziehung, in bestimmte Richtungen modifiziert werden.
Einige Personen verfügen jedoch nur über eingeengte Möglichkeiten, an dieser Stelle einzugreifen, was sich oft in dissozialem Verhalten niederschlägt und die Frage nach einer angemessenen Bestrafung aufwirft. Um hier eine Lösung zu finden, müssen neurobiologische Grundlagen und andere Aspekte bedacht werden.
In den USA versucht man es Boot-Camps, doch aufgrund der mäßigen Erfolge bedarf dieses Konzept einer Überdenkung vielleicht einer Modifikation auf neurobiologischer Grundlage. Das einzige Ziel muss darin bestehen, ein gutes soziales Miteinander für möglichst viele Menschen zu gewährleisten. Die Ursachen, warum dies bei einzelnen Individuen nicht gelingt, sind so mannigfaltig, dass die Hirnforschung nur Teilaspekte beleuchten kann.


Symposium turmdersinne 2016 
Was treibt uns an?
Motiviation und Frustration aus Sicht der Hirnforschung
30. September bis 2. Oktober 2016., Stadthalle Fürth
Anmeldung
#symp2016 


Zum Weiterlesen: 

Das Symposium 2016 im turmdersinne-Blog




Bisher erschienen:

Symposium turmdersinne 2016
Was treibt uns an?
Motivtaion und Frustration aus Sicht der Hirnforschung
30. September bis 2.Oktober 2016, Stadthalle Fürth
Anmeldung
#symp2016


Freitag, 3. Juni 2016

Symposium 2016: Likes und Schokolade



Bereits eine Portion Schokolade oder ein kleiner Geldgewinn können uns motivieren und das Belohnungssystem im Hirn ganz schön auf Trab bringen. Dass dies - zumindest bei Jugendlichen - auch ohne Kalorien oder Kohle klappt, hat nun ein kalifornisches Forscherteam gezeigt. Demnach wirken Likes auf sozialen Netzwerken sowohl belohnend als auch verhaltenssteuernd - so die Studie mit 32 Probandinnen und Probanden zwischen 13 bis 18 Jahren.

Für ihren Versuch schufen Lauren Sherman von der University of California in Los Angeles und ihr Team eine gefakte Plattform für Bilder, ähnlich wie Instagram. Dort luden sie insgesamt 148 Bilder hoch, darunter einige, die die Jugendlichen selbst mitgebracht hatten. Um die Illusion eines sozialen Netzwerkes perfekt zu machen, versahen sie die Bilder mit unterschiedlichen Anzahlen von "Likes", die scheinbar von anderen jugendlichen Usern stammten.

Während die Probanden die Bilder betrachteten, wurde ihre Hirnaktivität per fMRT beobachtet. Sahen sie eines ihrer Bilder mit vielen Likes, war besonders ein Teil des Belohnungssystems aktiv, der Nucleus accumbens. Er gilt als bedeutender Teil der Motivationssteuerung im Gehirn. Vergleichbare Reaktionen kennen die Forscher vom Schokoladengenuss oder von Geldgewinnen.

Der enorme soziale Einfluss zeigte sich, als die Jugendlichen selbst Bilder liken durften. Hatte ein Bild bereits viele Likes bekommen, waren sie eher motiviert, es positiv zu beurteilen. War dieselbe Abbildung jedoch mit weniger Likes versehen, wurde sie auch von ihnen seltener gelikt. Dabei war es egal, ob darauf ein neutrales Motiv (Speisen, Freunde) oder ein kontroverses (etwa Zigaretten oder Alkohol) zu sehen war.

Müssen sich Eltern von Jugendlichen also sorgen, dass der Nachwuchs durch Konformitätsdruck zu schädigendem Verhalten motiviert wird? Nicht unbedingt, ist Lauren Sherman überzeugt. Wichtig sei es zu prüfen, mit welchen Online-Freunden die Jugendlichen kommunizieren und welche Inhalte bei ihnen angesagt sind. 
Wenn die Freunde Ihres Kindes positives Verhalten zeigen, dann ist es großartig, dass Ihr Kind dieses Verhalten miterlebt und davon beeinflusst wird. 
Übrigens: Ein ganzes langes Wochenende, vollgepackt mit aktuellen Forschungen und spannenden Diskussionen über viele Facetten der Motivatiosforschung bietet das Symposium turmdersinne vom 30. September bis 02. Oktober 2016. Das aktuelle Programm finden Sie hier.

 Foto: Shutterstock 
Text: Inge Hüsgen

Symposium turmdersinne 2016
Was treibt uns an? 
Motivation und Frustration aus Sicht der Hirnforschung 
30. September - 02. Oktober 2016, Stadthalle Fürth
Anmeldung
#symp2016


Zum Weiterlesen: 
Sherman, L. E.; Payton, A. E.; Hernandez, L. M.; Greenfield, P. M.; Dapretto, M. (2016): The Power of the Like in Adolescence. Effects of Peer Influence on Neural and Behavioral Responses to Social Media. Psychological Science, 31. Mai 2016.