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Sonntag, 29. Mai 2016

Außer Sinnen: Die "Wette" um das Masernvirus

Dr. David Bardens

Der kleine Max, 1994 geboren, hatte als Kleinkind eine Maserninfektion, von der er sich gut erholte. Bis er in der dritten Klasse Gedächtnisstörungen und andere Ausfälle zeigte. 2004 dann die tödliche Diagnose: SSPE, eine Spätfolge der Masernerkrankung. Zwei Jahre später verschlechterte sich der Zustand des Jungen innerhalb weniger Stunden dramatisch, 2014 verstarb Max im Hospiz.

Ein weiteres SSPE-Opfer ist Aliana. 2010 geboren, erkrankte sie schon im drittem Lebensmonat an Masern. Im Alter von vier Jahren wurde das Mädchen zeitweise aggressiv, zeigte Sprachprobleme, sackte immer häufiger in sich zusammen. Heute ist Aliana ein Pflegefall. 

Ärzte wie Dr. David Bardens kennen solche Fälle nur zu gut. Noch immer werden die Masern als Kinderkrankheit verharmlost, obwohl jährlich über 100 000 Menschen daran sterben. Todesfälle gibt es auch in Deutschland, so forderte etwa die Berliner Masernwelle 2015 ein Todesopfer. Die Spätfolgen sind noch unbekannt.

Es braucht nur einen kleinen Pieks, um solche Schicksale zu verhindern. Doch Impfgegner machen lauthals Stimmung dagegen - einige behaupten sogar, es gäbe gar keine Masernviren. Einer von ihnen, Dr. Stefan Lanka - übrigens promovierter Biologe - hatte für den Beweis des Masernvirus ein Preisgeld von 100 000 Euro ausgesetzt. David Bardens nahm die Herausforderung an und belegte mit mehreren Studien, dass dieser Krankheitserreger wirklich exisitert. 

Als sich Lanka weigerte zu zahlen, zog Bardens vor Gericht, die endgültige Entscheidung fiel Anfang dieses Jahres im Berufungsverfahren beim Oberlandesgericht Stuttgart. Aufgrund eines formaljuristischen Details  braucht Lanka die 100 000 Euro nicht zu zahlen. Der Journalist und Prozessbeobachter Bernd Harder wertet die Entscheidung als "Sieg in der Sache" für Bardens. 
Von diesem Detail abgesehen, ließ die Kammer indes kaum einen Zweifel daran aufkommen, dass Lanka in der Tat "selbst erdachte Hypothesen als Argumente anbringt" und "mit seiner Argumentation außerhalb jeglicher etablierter wissenschaftlicher Standards" agiert, wie [der Gutachter, d. Red.] Podbielski es vor einem Jahr formuliert hatte.
Über den viel beachteten Masernprozess und die gefährliche "Alternativmedizin"-Szene berichtet Dr. David Bardens am kommenden Dienstag im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Außer Sinnen". Sein Fazit:
Die Herausforderung von Scharlatanen ist mein Hobby. Wer sich an der Gesundheit unserer Kinder vergeht, muss sich meiner Kritik stellen.

Dienstag,  31. Mai 2016
Nicolaus-Copernicus-Planetarium Nürnberg
Außer Sinnen:
Dr. David Bardens: Die "Wette" um das Masernvirus und andere Absonderlichkeiten
Ist Alternativmedizin wirklich eine Alternative?
Eintritt. 7,- € (erm.: 5,- €)
Buchung über BZ Nürnberg, Kurs 00931
#AußerSinnen


Zum Weiterlesen:

Samstag, 21. Mai 2016

Symposium 2016: Frustrierte Fuchshörnchen

Wer kennt das nicht? Da freut man sich auf etwas Schönes - und wird doch enttäuscht.  Mit dieser Emotion sind wir Menschen offenbar nicht allein, auch Tiere wie Fuchshörnchen (Sciurus niger) kennen sie. Doch letztlich wächst aus  Frust die Motivation für kreative Problemlösungen, ist Mikel Delgado von der University of California in Berkeley überzeugt. 


Bei diesen Nagern, Verwandten der heimischen Eichhörnchen, ist es für Beobachter besonders einfach, den Frustrationsgrad zu erkennen. Je größer der Frust, desto stärker wippen sie mit ihrem Puschelschwanz.

Und dazu gab ihnen der Versuchsaufbau von Delgado und seiner Kollegin Lucia Jacobs einigen Anlass. Die Hörnchen, die auf dem Universitätsgelände frei lebten, lernten zunächst, eine kleine Kiste zu öffnen, die Walnüsse enthielt - eine Lieblingsspeise der Tiere. In späteren  Durchgängen bauten die Forscher jedoch verschiedene Frust-Fallen ein: Mal war die Kiste leer, mal verschlossen oder enthielt lediglich ein Maiskorn - ein fader Ersatz für die beliebten Walnüsse.

Angesichts solch einer Enttäuschung war bei den Hörnchen zunächst genervtes Schwanzwippen angesagt. Doch schon bald probierten sie ganz neue Lösungswege aus. Etwa an der Kiste zu knabbern oder sie umzuschubsen - wer weiß, vielleicht lässt sich so eine verschlossene Kiste ja öffnen?

Um Frustration und Motivation geht es auch beim Symposium turmdersinne 2016, das vom 30. September bis 2. Oktober 2016 in Fürth stattfindet. Das Programm  wird derzeit zusammengestellt, den aktuellen Stand finden Sie hier.

Inge Hüsgen 

Symposium turmdersinne 2016
Was treibt uns an? 
Motivation und Frustration aus Sicht der Hirnforschung 
30. September - 02. Oktober 2016, Stadthalle Fürth
Anmeldung
#symp2016


Zum Weitelesen

Sonntag, 15. Mai 2016

Von Sinnen: Mann, Frau oder was?


Im US-Bundesstaat North Carolina soll ein neues Gesetz die Frage ganz einfach lösen: Die Geburtsurkunde entscheidet. Wer dort als männlich eingetragen ist, geht in staatlichen Einrichtungen auf die Herrentoilette, Menschen mit dem Eintrag "weiblich" auf die Damentoilette.

Einfach, gewiss. Zu einfach. Denn unsere sexuelle Identität hängt nicht allein von den äußerlichen körperlichen Merkmalen ab, mit denen wir zur Welt gekommen sind. Vielmehr bestimmt ein komplexen Zusammenspiel vieler Faktoren, welchem Geschlecht wir uns zugehörig fühlen.

Kein Wunder, dass das "Toilettengesetz" einen Sturm der Entrüstung entfacht hat. Weil es Transgender diskriminiert, kippen Unternehmen geplante Investitionen in dem Bundesstaat, Künstler sagen Tourneen ab, und das US-Justizministerium hat Klage eingereicht.

Aber wovon hängt es ab, wie wir unser Geschlecht definieren? Die Mechanismen der sexuelle Identität erforscht die Philosophin, Biologin und promovierte Biochemikerin Dr. Nadine Hornig. Seit 2011 beschäftigt sie sich am Institut für Humangenetik und Department für Kinderendokrinologie der Universität Schleswig Holstein mit Störungen der sexuellen Entwicklung. Die Einrichtung diagnostiziert und behandelt hormonelle Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen.

Nadine Hornig
Was wir heute über die Herausbildung von körperlichem und gefühltem Geschlecht wissen, erklärt Horning am nächsten Dienstag, 17. Mai 2016, im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Von Sinnen".

Dabei wird vor allem eins klar: Es wird Zeit für einen Abschied von der scharfen Trennung zwischen "männlich" und "weiblich".

Dienstag,  17. Mai 2016
Nicolaus-Copernicus-Planetarium Nürnberg
Von Sinnen: Dr. Nadine Hornig: Mann, Frau oder was?
Wie Gene und Hormone unser körperliches und psychisches Geschlecht beeinflussen
 Eintritt. 7,- € (erm.: 5,- €)
Buchung über BZ Nürnberg, Kurs 00925
#VonSinnen

Samstag, 14. Mai 2016

Pfingstferien im Hands-on-Museum


Endlich Pfingstferien!

Für die Zeit vom 14. bis 29. Mai 2016 hat das turmdersinne-Team wieder ein spannendes Programm für Kinder und andere Neugierige zusammengestellt: 
  • Donnerstag, 19. Mai: Forscherrundgang für Kinder zwischen 6 und 10 Jahren
  •  Samstag, 21. Mai: Gedächtnisführung für alle ab 12 Jahren 
  • Sonntag, 29. Mai: Familien-Erlebnis-Tour für alle ab 8 Jahren 
  •  Für Hortkinder der 2. bis 4. Klasse bietet der turmdersinne darüber hinaus in der Ferienzeit wochentags von 9.30 bis 11.30 Uhr eine Sonderführung mit Workshop an. In der aktuellen Sonderausstellung lernen sie Anamorphosen kennen und erschaffen anschließend selbst solche "verrückten Bilder". Dazu erhält jedes Kind ein "Junior-Set", mit dem es anschließend zuhause weiter mit Anamorphosen experimentieren kann.
Außerdem lädt in der gesamten Ferienzeit eine Rätselaktion für Kinder zum Mitmachen und Entdecken ein.

Übrigens: Das Hands-on-Museum ist an allen Ferientagen (auch montags) von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Anmeldung und weitere Informationen zu den Ferienangeboten hier.

Dienstag, 10. Mai 2016

Was trächtigen Fruchtfliegen schmeckt - und warum

Der reproduktive Zustand des Fliegenweibchens schickt Signale an das Gehirn, worauf sich die Sinneswahrnehmung ändert. Das Bild zeigt einen Teil des reproduktiven Systems mit Uterus der weiblichen Fliege.

Saure Gurken und Schoki mit Senf: Die ungwöhnlichen Geschmacksvorlieben von Schwangeren sind geradezu sprichwörtlich. Auf irgend eine Weise muss sich in dieser Zeit die Geruchs- und Geschmackswahrnehmung ändern. Wie dies genau geschieht, ist bisher noch nicht ganz geklärt.

Auch trächtige Insekten bevorzugen ganz bestimmte Nahrung. Warum, hat nun ein Forscherteam vom Max-Planck-Institut für Neurobiologie in Martinsried bei Versuchen mit Fruchtfliegen entdeckt. Dabei wiesen sie erstmals einen Mechanismus nach, der bei Trächtigkeit die chemosensorischen Nervenzellen so verändert, dass wichtige Nahrungsbestandteile anders wahrgenommen und deshalb in größeren Mengen verzehrt werden.

Bei den Untersuchungen zeigte sich, dass befruchtete Fliegenweibchen offenbar den Geschmack und Geruch bestimmter Nährstoffe, der Polyamine, im Gehirn anders verarbeiten. Deshalb nehmen sie mehr polyaminreiche Nahrung zu sich, was wiederum die Anzahl der überlebenden Nachkommen steigert. 

Aber was bringt die trächtigen Fruchtfliegen dazu, diese Stoffe zu bevorzugen? Die Tiere verfügen in ihren Sinnesorganen über eine höhere Konzentration eines Rezeptors, des "Sex Peptid Rezeptors" (SPR). Bisher wusste man lediglich, dass der SPR die Produktion von Eiern bei befruchteten Fliegen anregt, so Ashiq Hussain, einer der Autoren der Studie.
Dass der SPR auch die Aktivität der Nervenzellen reguliert, die den Geschmack und Geruch von Polyaminen erkennen, hat uns überrascht.
Es ist denkbar, dass eine solche Wahrnehmungsveränderung einen evolutionären Vorteil bietet, erklärt Koautorin Habibe Üc̗punar weiter: 
Da Geruch und Geschmack in Insekten und Säugetieren ähnlich verarbeitet werden, könnte ein entsprechender Mechanismus auch bei uns Menschen dafür sorgen, dass das heranwachsende Leben optimal versorgt ist.

Dienstag, 3. Mai 2016

Blaue Nacht im Hands-on-Museum


Ist, was wir wahrnehmen, immer wahr?

Wer schon einmal im Hands-on-Museum turmdersinne versucht hat, das Gewicht der "magischen Klötzchen" zu schätzen oder vor der Gleichgewichtswand die aufreche Haltung zu bewahren, ahnt die Antwort: Sinnesorgane und Gehirn präsentieren uns kein Abbild der Realität, sondern bereits eine interpretierte Version. Wahrheit? Denkste!

Wahrheit, so lautet das Motto der diesjährigen "Blauen Nacht" in Nürnberg, die am kommenden Samstag,  7. Mai 2016, stattfindet. Das Hands-on-Museum ist als eine von 80 Institutionen dabei. Durchgehend von 19:00 bis 01:00 Uhr können die Besucher mit den verschiedenen Exponaten Wahrnehmung und Hirn unterhaltsam aufs Glatteis führen.

Ein Highlight ist die aktuelle Sonderausstellung "Anamorphosen" mit tollen Exponaten sowie Wandgemälden von Daniel Pichlmeier und Yvonne Rausch. Und für die Gehirnzellen gibt's zur Aufmunterung zwei Espresso - oder irren wir uns da gerade?

Achtung: Aufgrund begrenzter Raumkapazitäten kommt es regelmäßig zu Wartezeiten. Bitte fragen Sie die turmdersinne-Mitarbeiter vor Ort.