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Mittwoch, 28. September 2016

Symposium 2016: Neueste Ergebnisse der Aggressionsforschung


Lisa Wagels

Lisa Wagels ist Diplom-Psychologin und forscht an der RWTH Aachen im Rahmen einer Promotionsarbeit bei Prof. Ute Habel über den Zusammenhang von Genotyp, dem Hormon Testosteron und unterschiedlichen Situationen auf aggressives Verhalten. 

In einer Abänderung des ursprünglich angekündigten Programms stellt die Nachwuchswissenschaftlerin am nächsten Sonntag, 02. Oktober 2016, auf dem Symposium turmdersinne noch unveröffentlichte Ergebnisse vor.

Im Mittelpunkt ihres Versuchs standen gesunde Männer, die dem sogenannten MAO-A-Genotyp angehören. Dieses genetische Merkmal wird mit erhöhter Aggression in Verbindung gebracht. Doch wie reagieren die Probanden in sozialen Kontexten? Wie in nicht-sozialen Situationen? Und was geschieht, wenn sie mit einem tatsächlichen Gegner konfrontiert werden? 

Wagels hat auf diese Fragen differenzierte Antworten gefunden. Welches Verhalten eine Person zeigt, wird durch viele Faktoren bestimmt. Welche das sind, erklärt die Forscherin in ihrem Vortrag.

Sonntag, 2. Oktober 2016
12.00 bis 12.45 Uhr
Lisa Wagels
Von der Frustration zur Aggression 
Aktuelle Forschungen Neuropsychobiologie

Was treibt uns an? 
Motivation und Frustration aus Sicht der Hirnforschung
30.09.-02.10.2016 
Stadthalle Fürth  

Restkarten für das gesamte Symposium oder für einzelne Abschnitte sind vor Ort an der Tagungskasse erhältlich.


Dienstag, 6. September 2016

Im Gästebuch geblättert

Die bayerischen Sommerferien gehen zu Ende, und das turmdersinne-Team blickt zurück auf viele neue Besucher und tolle Ferienaktionen. Zeit, wieder einmal das Gästebuch zur Hand zu nehmen:



Übrigens: Am Donnerstag, 08. September 2016, steht im Rahmen des Ferienprogramms noch einmal eine Gedächtnis-Tour für Jung und Alt auf dem Programm.

In dieser spannenden Sonderführung erfahren Neugierige ab 12 Jahren, warum wir manchmal Dinge vergessen, und weshalb Menschen sich sogar an Ereignisse erinnern können, die sie nie erlebt haben. Anmeldung hier.


Sonntag, 21. August 2016

Außer Sinnen: David Bardens


Der Mediziner Dr. David Bardens wurde durch den aufsehenerregenden "Masernprozess" bekannt. Im Mai 2016 stand er bei der Veranstaltungsreihe "Außer Sinnen" auf der Bühne und schluckte eine Überdosis Zyankali - homöopathisch verdünnt.

Zum Weiterlesen: 

Sonntag, 24. Juli 2016

Außer Sinnen: Verschwörungstheorien


Ob Nazi-Flugscheiben, reptiloide Politiker oder amerikanische Sprengsätze in den WTC-Türmen: absurde Behauptungen sind in unzähligen Verschwörungstheorien zu finden. Zu unsinnig, um daran zu glauben? Nicht unbedingt, sagt der Bamberger Psychologe Marius Raab.

Es spricht im Gegenteil einiges dafür, dass Menschen ihre individuelle Verschwörungstheorie aus verschiedenen Erzähl-Elementen zusammensetzen - und dass gerade der Kontakt mit absurden Details der individuelle Version einer Verschwörungstheorie einen stärker konspirativen Charakter verleiht, während offizielle Statements dabei ausgeblendet werden.

In einer Studie hat Raab mit Kollegen genau dies anhand eines Versuchs gezeigt. Ihr Fazit:
Eine Verschwörungstheorie birgt vielerlei Gefahren: Die komplexe und ankedotische Argumentation immunisiert gegen eine Widerlegung. Extreme Elemente ziehen die Aufmerksamkeit auf sich, polarisieren die Debatte und können die individuellen Erklärungskonstrukte einzelner Menschen in RichtungVerschwörung verändern. Zusammengefasst, stellt der Ruch des Seltsamen gerade keinen Schwachpunkt derartiger Theorien dar, sondern vielmehr einen wesentlichen Bestandteil, von dem ihre Überzeugungskraft abhängt.
Mehr dazu erklärt Marius Raab am Dienstag, 26. Juli 2016, in der letzten diesjährigen Veranstaltung der Reihe "Außer Sinnen".

Dienstag, 26. Juli 2016
Nicolaus-Copernicus-Planetarium Nürnberg
Außer Sinnen:
Marius Raab: Verschwörungstheorien - sinnstiftende Sagen oder unsagbarer Unsinn?
Eintritt. 7,- € (erm.: 5,- €)
Buchung über BZ Nürnberg, Kurs 00935
#AußerSinnen

Zum Weiterlesen: 

Raab, M. H.; Auer, N.; Ortlieb, Stefan A.; Carbon, C. C.: The Sarrazin effect. The presence of absurd statements in conspiracy theories makes canonical information less plausible. Frontiers in Personality Science and Individual Differences, 4. doi: 10.3389/fpsyg.2013.00453.

Samstag, 23. Juli 2016

Symposium 2016: Frühbucherrabatt nutzen!

Nur noch wenige Tage: Wer den Frühbucherrabatt nutzt und sich bis 31. Juli zum Symposium turmdersinne 2016 anmeldet, spart bares Geld.

Zum diesjährigen Thema Motivation konnten die Organisatoren sowohl renommierte Forscherpersönlichkeiten und vielversprechende Nachwuchswissenschaftler gewinnen. Zu ihnen gehört auch die Psychologin Bettina Schwörer von der Universität Hamburg, die gemeinsam mit Prof. Gabriele Oettingen die Rolle von Zukunftsträumereien für unsere Erfolge untersucht hat.
Bettina Schwörer
Ein Beispiel: Wer hätte nicht gern einen tollen Abschluss mit Supernote? Wenn du es wirklich willst, dann schaffst du es auch - behaupten jedenfalls unzählige Motivationsgurus. Doch so ermutigend solche Sprüche zunächst klingen mögen - sie nähren nur die Versagensgefühle, wenn ich statt zu lernen lieber mit Freunden unterwegs war oder mal wieder einen Nachmittag am Computer vertrödelt habe. Wenn dann noch die Prüfung danebengeht, ist die Enttäuschung groß.

Dieses Scheitern ist leider vorprogrammiert. Was wir aus leidvoller Erfahrung wissen, haben Studien bestätigt: Positives Denken allein bringt uns unseren Wünschen nicht näher. Denn zum Erreichen unserer Ziele müssen wir Widrigkeiten überwinden, und dafür benötigen wir eine gute Strategie.

An genau dieser Stelle setzt Oettingens  "WOOP"-Modell ein, das Bettina Schwörer in ihrem Vortrag vorstellt. WOOP, das steht für Wish - Outcome - Obstacle - Plan (Wunsch - Resultat - Hindernis - Plan) und funktioniert so: Führen Sie sich zunächst Ihren konkreten Wunsch vor Augen. In unserem Beispiel: Sie lernen regelmäßig und effizient. Das Resultat: In der Prüfung beantworten Sie jede Frage souverän und korrekt. Doch vergessen Sie nicht, sich im zweiten Schritt die Hindernisse auf dem Weg dorthin zu vergegenwärtigen. Was hält Sie vom Lernen ab, dass Sie sich so bereitwillig blenken lassen? Hier kann ein eigener Zeitplan ganz hilfreich sein.

Mehr erfahren Sie beim Symposium turmdersinne

Symposium turmdersinne 2016
Was treibt uns an?
Motivation und Frustration aus Sicht der Hirnforschung
30. September bis 2. Oktober 2016, Stadthalle Fürth
Anmeldung
 #Symp2016

Zum Weiterlesen: 

Samstag, 16. Juli 2016

Symposium 2016: Motivation durch verpasste Frist



Kennen Sie das auch? Hier ein Projekt, da ein Termin und dann noch eine Frist versäumt - nur, weil Sie so viel zu tun haben. Dann sind Sie vielleicht auf dem besten Weg zum ultimativen Motivations-Schub. Sofern Sie nicht sich selbst die Schuld an der Verspätung geben.

Das behauptet zumindest das Forscherteam um Keith Wilcox von der Columbia University. Sie kommen in einer neuen Studie zu folgendem Fazit: Wer sich selbst als vielbeschäftigt einschätzt, ist nach einer versäumten Frist motivierter, die Aufgabe zu beenden, als jemand, der sich wenig beschäftigt fühlt. Den Grund sehen die Wissenschaftler darin, dass die Vielbeschäftigten zufriedener mit ihrem Zeitmanagement seien, weshalb sie eine überzogene Deadline nicht als persönliches Versagen werteten. 
Dieser Unterschied in der Motivation wirkt sich offenbar auch auf die Arbeitsgeschwindigkeit aus. So belegen die Daten einer Task-Management-App, dass vielbeschäftigte User ihre Aufgabe nach Verstreichen einer Frist rascher fertigstellen als wenig beschäftigte. 
A propos Frist: Noch bis 31. Juli gilt bei der Anmeldung zum Symposium der günstige Frühbucherrabatt. Sichern Sie sich jetzt Ihre Tickets und seien Sie dabei, wenn renommierte Expertinnen und Experten weitere aktuelle Forschungsergebnisse zum Thema Motivation präsentieren!
 
Symposium turmdersinne 2016
Was treibt uns an? Motivation und Frustration aus Sicht der Hirnforschung
30. September bis 2. Oktober 2016, Stadthalle Fürth
 Anmeldung   
#Symp2016 

Text: Inge Hüsgen 
Foto: shutterstock/Stokkete


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Sonntag, 10. Juli 2016

Außer Sinnen: Lügen und Betrügen

Dr. Roland Pfister
Frank Abagnale ist 16, als er seine ersten Schecks fälscht. Später düst er dank einer erfundenen Geschichte kostenlos mit dem Flugzeug durch die ganze Welt. Und er bewirbt sich ohne Studium erfolgreich um eine Stelle als Oberarzt - ein überzeugendes Auftreten und ein paar Imponiervokabeln aus Krankenhausserien im Fernsehen genügen.

Bekannt wurde die Lebensgeschichte des Hochstaplers Frank Abagnale durch den Hollywood-Streifen "Catch Me If You Can" (2002) mit Leonardo di Caprio. Doch wie kommt man solchen geschickten Lügnern auf die Schliche? Und was passiert beim Flunkern eigentlich im Gehirn? Mit solchen Fragen beschäftigen sich Psychologen wie Dr. Roland Pfister von der Uni Würzburg.

So hat Pfister gemeinsam mit Anna Foerster und Wilfried Kunde per EEG die Hirnaktivität beim Flunkern untersucht. Ihre Augabe war es, einem virtuellen Polizeibeamten Auskunft über die Position eines Messers zu geben. Für eine unwahre Aussage brauchten sie einige Millisekunden länger, als wenn sie die Wahrheit sagten - auch dann, wenn sie vor jedem Durchgang ankündigten, ob ihre nächste Aussage wahr oder gelogen sein würde. Dies bestätigt, dass Lügen mehr kognitive Ressourcen beansprucht, als wenn wir die Wahrheit sagen.

Angesichts so deutlicher Unterschiede müsste es doch ganz einfach sein, einen Lügner auf frischer Tat zu ertappen, oder? Wie wir wissen, klappt das in manchen Fällen auch. Doch einige Schwindler kommen immer wieder mit den wildesten Geschichten durch - nicht nur auf der Kinoleinwand. Wie sich erfolgreiche Lügner von anderen unterscheiden, verrät Roland Pfister am Dienstag, 12. Juli, auf seinem Vortrag der Reihe "Außer Sinnen".

Noch sind Karten erhältlich. Ehrlich!

Dienstag, 12. Juli 2016, 19.30 Uhr
Nicolaus-Copernicus-Planetarium Nürnberg
Außer Sinnen:
Dr. Roland Pfister: Lügen und Betrügen - eine Gebrauchsanweisung
 Eintritt. 7,- € (erm.: 5,- €)
Buchung über BZ Nürnberg, Kurs 00934
#AußerSinnen

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Samstag, 2. Juli 2016

Symposium 2016: Motivation zum Mobbing


Eine große Portion Motivation, wer wünscht sich das nicht? Sie treibt uns zu Top-Leistungen und spornt uns an, die Welt ein bisschen besser zu machen - vorausgesetzt, das Belohnungssystem im Gehirn spielt mit. Doch dieselben Mechanismen lösen auch aggressives Verhalten aus, wie es unter dem Schlagwort Mobbing zunehmend als gesellschaftliches Problem erkannt wird. Die Suche nach Lösungsansätzen dauert indes an.

Amerikanischen Wissenschaftlern ist es nun gelungen, den Grad von Aggression durch Hightech-Methoden zu beeinflussen - zumindest bei Mäusen. Die Untersuchung der Icahn School of Medicine (Mount Sinai, New York City) ist im Fachjournal Nature erschienen.
Die Studie belegt erstmals einen Belohnungsmechanismus im Gehirn, der Mobbing für bestimmte Individuen attraktiv macht, 
fasst der Neurowissenschaftler Scott Russo das Ergebnis zusammen. 
Darüber hinaus konnten wir zeigen, dass sich durch Manipulation dieser Neuronenverbindungen die Aktivität der Hirnzellen und damit das Aggressionsverhalten verändern lässt.
In ihrem Versuch konfrontierten die Forscher erwachsene männliche Mäuse mit jüngeren, rangniederen Art- und Geschlechtsgenossen. Darauf reagierten 70 Prozent der älteren Tiere aggressiv, die übrigen 30 Prozent blieben locker.

Die aggressiven Mäuse griffen die jüngeren nicht nur an und besiegten sie, sondern suchten auch anschließend den Ort des Zusammentreffens öfter auf - für die Forscher ein Hinweis, dass sie die siegreiche Konfrontation als lohnend empfanden. Dagegen vermieden die friedlichen Mäuse Orte, an denen sie auf den Gegner gestoßen waren.

Der Unterschied spiegelte sich auch in der Hirnchemie wider. Eine entscheidende Rolle spielt dabei der Neurotransmitter GABA, der die Neuronenaktivität hemmt und durch bestimmte Nervenzellen, die Projektionsneuronen, bis in andere Hirnareale übertragen wird. So regeln die Projektionsneuronen im basalen Vorderhirn über die GABA-Versorgung die Aktivität in einem anderen Hirnbereich, der lateralen Habenula. Dieser sorgt normalerweise dafür, dass die Tiere - und auch Menschen - aggressionsauslösende Reize meiden. 

Genau das stellten die Forscher bei den friedlichen Mäusen fest: Die beobacheten GABA-Projektionsneuronen feuerten bei ihnen nur wenig, sodass die laterale Habenula normal arbeitete und die Nager dazu veranlasste, ihrem schwächeren Gegner aus dem zu Weg gehen. Der entgegengesetzten Mechanismus wirkte im Hirn ihrer aggressiven Artgenossen: Ihre Projektionsneuronen transportierten genug GABA in die laterale Habenula, um das Hirnareal lahmzulegen. Deshalb fehlte ihnen der Impuls, die Konfrontation mit dem Gegner zu vermeiden.

Und dann griffen Russo und sein Team in die optogenetische Werkzeugkiste. Durch eine augeklügelten Kombination von optischen und genetischen Eingriffen veränderten sie die GABA-Versorgung zwischen basalem Vorderhirn und lateraler Habenula. Mit durchschlagendem Ergebnis: Die Forscher konnten förmlich zuschauen, wie aggressive Mäuse friedlich wurden und umgekehrt. 

Ob und wie diese Erkenntnisse zur Entwicklung neuer Therapiemethoden gegen aggressives Verhalten beitragen werden, bleibt abzuwarten. Zukunftige Forschungen werden hier gewiss weitere Klarheit bringen.  

Auch beim diesjährigen Symposium turmdersinne wird es sowohl um die neurobiologischen Grundlagen von Motivation als auch um die den Antrieb zu gesellschaftlich schädigendem Handeln und unseren Umgang damit gehen. 

Foto: Shuttestock 
Text: Inge Hüsgen  


Symposium turmdersinne 2016 
Was treibt uns an? Motivation und Frustration aus Sicht der Hirnforschung 
30. September bis 2. Oktober 2016, Stadthalle Fürth
 Anmeldung   
#Symp2016


Zum Weiterlesen

Montag, 27. Juni 2016

Außer Sinnen: Lydia Benecke - Seltsam vs. psychopathisch




Den "Sadisten von Höxter" - so nennt die B.Z. den Mann, der gemeinsam mit seiner Partnerin mehrere Frauen systematisch gefoltert haben soll, zwei von ihnen bis in den Tod. Doch es gibt auch Sadisten anderer Art: Menschen, die sich einvernehmlich in ein erotisches Spiel von Dominanz und Unterwerfung einlassen. Beide lassen sich klar untescheiden, ist die forensische Psychologin Lydia Benecke überzeugt.

Was aber unterscheidet eine harmlose, wenngleich ungewöhnliche sexuelle Vorliebe von eine Störung, die sogar in Verbrechen münden kann? Lydia Benecke arbeitet als psychologische Therapeutin im Gefängnis mit verurteilten Sexual- und Gewaltstraftätern und beschäftigt sich wissenschaftlich mit solchen Fragen. Morgen, 28. Juli 2016, berichtet sie im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Außer Sinnen" von ihrer Arbeit und ihren Forschungen.

Restkarten sind an der Abendkasse erhältlich.

Dienstag, 28. Juni 2016, 19.30 Uhr
Nicolaus-Copernicus-Planetarium Nürnberg
Außer Sinnen:
Lydia Benecke: Seltsam vs. psychopathisch - ungewöhnliche sexuelle Vorlieben aus psychologischer Sicht
Eintritt. 7,- € (erm.: 5,- €)
Buchung über BZ Nürnberg, Kurs 00933
#AußerSinnen

Zum Weitelesen und -schauen: 
  • Video: Lydia Benecke bei Hoaxilla TV
  • Lydia Benecke: Auf dünnem Eis. Die Psychologie des Bösen. Lübbe, Köln 2013
  • Lydia Benecke: Sadisten: Tödliche Liebe - Geschichten aus dem wahren Leben. Lübbe, Köln 2015 

Montag, 20. Juni 2016

Symposium 2016: Bewegung, Lernen, Motivation


Nach dem Lernen ab zum Sport! Klar, wer möchte sich nicht nach langer Paukerei direkt so richtig austoben? Fürs Gedächtnis ist es allerdings besser, vier Stunden zu warten, ehe man sich in die Laufschuhe, aufs Fahrrad oder ins Fitnesscenter begibt. Mit diesem Versuchsergebnis überrascht nun ein Forscherteam aus den Niederlanden die Fachwelt. 

Die Wissenschaftler um Guillén Fernández (Radboud University Medical Center in Nijmegen), Referent beim Symposium turmdersinne 2015, ließen ihre Versuchspersonen zunächst 90 Kombinationen aus jeweils einem Ort und einem Bild auswendig lernen. Dafür bekamen sie 40 Minuten Zeit. Anschließend schickten die Forscher eine Probandengruppe sofort aufs Fahradergometer, eine zweite kam nach vier Stunden an die Reihe und die dritte Gruppe absolvierte gar kein Training.

Wie gut sich die Versuchspersonen an das Gelernte erinnerten, wurde 48 Stunden später geprüft. Dabei schnitt die Gruppe mit vier Stunden Pause am besten ab, während die inaktiven Probanden und die Gruppe mit Sportprogramm unmittelbar nach der Lerneinheit schlechter abschnitten – überraschenderweise beide auf dem gleichen Niveau.

Hirnscans während der Gedächtniskontrolle spiegeln das Ergebnis wieder. So zeigte die erfolgreichste Gruppe eine vermehrte Aktivität im Hirnareal Hippocampus, das neue Eindrücke ins Langzeitgedächtnis überführt. 

Warum ausgerechnet die vierstündige Pause als Erinnerungs-Booster wirkt, ist noch ungeklärt. Die Forscher vermuten, dass dabei eine bestimmte Stoffgruppe eine Rolle spielt: die Katecholamine, zu denen auch die Neurotransmitter Dopamin und Noradrenalin gehören. Bereits seit längerem länger ist bekannt, dass Katecholamine beim Sport vermehrt ausgeschüttet werden, und im Versuch mit Tieren zeigten diese Stoffe Einfluss auf die Gedächtnisfunktionen.

Was die Wirkung beim Menschen betrifft, sehen die Forscher um Fernandez bereits konkrete Anwendungsmöglichkeiten in den Bereichen Bildung oder klinische Betreuung. Auf weitere Forschungen dürfen wir gespannt sein.

Mit der Rolle körperlicher Aktivität beim Lernen hat sich auch der Lernforscher Prof. Martin Korte von der TU Braunschweig beschäftigt. Demnach kann Bewegung bei Kindern und Jugendlichen schädliche Einflüsse durch Stress lindern. Eine zentrale Rolle spielen die dabei ausgeschütteten körpereigenen Opiate, so Korte in seinem Buch "Wie Kinder heute lernen":
Die sogenannten Endorphine, treten nicht nur mit den Nervenzellen in der Großhirnrinde in Wechselwirkung, sondern auch und vor allem mit Arealen des limbischen Systems, welches von herausragender Bedeutung ist. Es spielt aber auch für Motivation und Antrieb – essentielle Komponenten jeden Lernens – eine wichtige Rolle. (…) Generell gilt, dass Bewegung direkt über die motorischen Areale im Gehirn, aber auch indirekt über Endorphine und andere Substanzen die Reifung des Gehirns fördert. Hingegen werden Faktoren, die stressbedingt das heranwachsende Gehirn schädigen könnten, durch Bewegung gehemmt bzw. abgebaut.
Unerlässlich für den Lernerfolg ist nach Korte vor allem eines: Neugierde. Was dies für eine Lernbedingungen bedeutet, erklärt er beim Einführungsabend des Symposiums turmdersinne 2016 am Freitag, 30. September 2016.


Was treibt uns an?  
Motivation und Frustration aus Sicht der Hirnforschung  
30. September bis 2. Oktober 2016, Stadthalle Fürth    
Anmeldung 
#symp2016 


Zum Weiterlesen: 
  • Eelco van Dongen, Ingrid H. P. Kersten, Isabelle C. Wagner, Richard G. M. Morris, Guillén Fernandez: Physical Exercise performed four hours after learning improves memory retention and increases hippoampal similarity during retrieval. Current Biology.
  • Martin Korte: Wie Kinder heute lernen: Was die Wissenschaft über das kindliche Gehirn weiß - Das Handbuch für den Schulerfolg. Deutsche Verlags-Anstalt 2009.

Montag, 13. Juni 2016

Außer Sinnen: Evolution - Affengeil oder Holy Shit?

Sind wir Menschen Krone der Schöpfung oder Produkt der Evolution? Für viele Deutsche ist die Antwort nicht so klar, wie die wissenschaftliche Beweislage erwarten ließe. Bei einer Umfrage des Allensbach-Instituts 2015 vertraten nur 54 Prozent der Befragten die Ansicht, dass sich der Mensch ohne Eingreifen eines Schöpfers entwickelt hat.

Dagegen glaubten 40 Prozent der Katholiken und 35 Prozent der Protestanten an eine Schöpfung, bei den Konfessionslosen waren es nur 10 Prozent. Unter den häufigen Kirchgängern äußerten sich sogar 65 Prozent im Sinne eines Schöpfungsglaubens.

Kann uns das egal sein? Natürlich nicht, ist die Biologin Anna Beniermann überzeugt. Denn die Kontroverse zwischen Wissenschaft und Ideologie bzw. Glauben ist weitaus mehr als eine Streiterei im Elfenbeinturm. Vor allem, wenn die Evolutionstheorie bereits im Schulunterricht zu kurz kommt, können die Folgen für die Gesellschaft verheerend sein, so Beniermann:
Rassistische Positionen beruhen auf einem Denken in Schubladen, was häufig zu aktiver Ausgrenzung führt. Die Evolutionsbiologie hingegen rückt die gemeinsame Abstammung und damit die Gemeinsamkeiten aller Menschen - und aller Lebewesen - in den Fokus. So bietet evolutionäres Denken die Chance, dass Menschen sich als Teil einer Menschheit betrachten und nicht als Teil einer bestimmten Menschengruppe.

Der Mensch als Krone der Schöpfung wird durch die Evolutionstheorie in Frage gestellt. Daraus folgt, dass der Mensch kein gottgegebenes Nutzungsrecht an der Natur hat, sondern Teil des Ökosystems Erde ist und ein nachhaltiger Umgang mit Ressourcen daher im Interesse aller Menschen sein sollte.
Doch wie kommt es trotz aller wissenschaftlichen Gegenargumente zum Boom von Kreationismus und verwandten Anschauungen? Als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Biologiedidaktik der JLU Gießen befasst sich Beniermann eingehend mit der Frage, welche Persönlichkeitsfaktoren die Einstellung eines Menschen zur Evolutionstheorie beeinflussen.


Und sie hat sich Gedanken darüber gemacht, wie sich das Thema in den Biologieunterricht einbinden lässt. Mehr dazu in ihrem Vortrag am Dienstag, 14. Juni 2016, in der Veranstaltungsreihe "Außer Sinnen".

Dienstag, 14. Juni 2016
Nicolaus-Copernicus-Planetarium Nürnberg
Außer Sinnen:
Anna Beniermann: Evolution - Affengeil oder Holy Shit?
Eintritt. 7,- € (erm.: 5,- €)
Buchung über BZ Nürnberg, Kurs 00932
#AußerSinnen

Samstag, 11. Juni 2016

Symposium 2016: Das Programm



Lust auf Leistung? Klar - sofern die Motivation stimmt. Etwa wenn eine Mühe langfristig belohnt wird. Warum sonst hätten wir an der Uni wochenlang für die Abschlussklausur gelernt, statt die Zeit auf Partys zu vertrödeln? Im Beruf freuen wir uns über die Gehaltserhöhung - solange wir dabei mindestens so viel Plus machen wie die Kollegen. Und nach Feierabend rein in die Joggingschuhe und losgelaufen. Das Bier danach haben wir uns redlich verdient - oder? 

Dank der Hirnforschung kennen wir heute die Reize, die das Belohnungszentrum im Gehirn aktivieren. Auch Psychologen, Sozialwissenschaftler und andere Forscher haben sich eingehend mit den Mechanismen der Motivation beschäftigt.

Ihre Erkenntnisse ragen tief in unseren Alltag hinein. So wünschen sich Lehrende und Führungskräfte  leistungsfreudige, produktive Schüler und Mitarbeiter. Und wer möchte nicht erfahren, durch welche Strategien wir die eigenen Leistungen optimieren und schlechte Angwohnheiten ablegen können?

Doch die aktuelle Forschung widmet sich auch den negativen Aspekten des modernen Leistungs- und Motivationsbooms. Heute wissen wir, dass übertriebene Erwartungen gerade ehrgeizige Persönlichkeiten leicht in Frustration und Burnout abgleiten lassen - eine wertvolle Basis für Präventionsarbeit.

Vergleichbare Perspektiven ermöglicht auch ein anderer Zweig der Motivationsforschung: Um Aggressionen zu begreifen, muss man verstehen, was die Täter angetrieben hat.

Um diese und andere Aspekte des vielschichtigen Themas Motivation geht es beim Symposium turmdersinne, das vom 30. September bis 2. Oktober 2016 in Fürth stattfindet. Das komplette Programm finden Sie hier. Sichern Sie sich schon jetzt Ihre Tickets und diskutieren Sie mit renommierten Referentinnen und Referenten. Das turmdersinne-Team freut sich auf spannende Debatten!

Symposium turmdersinne 2016  Was treibt uns an? Motivation und Frustration aus Sicht der Hirnforschung 30. September bis 2. Oktober 2016, Stadthalle Fürth  
Anmeldung 
#symp2016 
 

Zum Weiterlesen: 

Montag, 6. Juni 2016

Symposium 2016: Interview mit Prof. Christian Elger


Prof. Christian Elger leitet die Klinik für Epileptologie an der Uni Bonn und steht gemeinsam mit Prof. Martin Korte als Einführungsreferent beim Symposium turmdersinne am 30. September 2016 auf der Bühne. Helmut Fink hat sich mit ihm unterhalten.


Helmut Fink: Jede unserer Entscheidungen beruht auf neuronalen Prozessen. Hilft Ihnen die Kenntnis dieser Mechanismen bei eigenen Entscheidungen?

Christian Elger: Natürlich hilft diese Vorstellung nicht. Zwar ist die Leistung des Gehirns sehr komplex, im Einzelfall jedoch läuft ein Entscheidungsprozess auf festen Schienen. Das Verständnis für diese Entscheidungsprozesse hilft uns sicher dabei, Entscheidungen zu überdenken und zu verstehen – und sie gegebenenfalls, wenn nötig, zu modifizieren.

Sehen Sie in der Hirnforschung einen nachweisbaren Nutzen für Motivationsseminare und Coachingangebote?

Die Antwort ist ganz klar: Ja. Das Gehirn reagiert anders, als wir denken. Viele Prozesse sind sehr archaisch, weil wir wahrscheinlich über 90 % der Menschheitsgeschichte in kleinen Sozialisationen zugebracht haben – „in Höhlen“, wenn Sie so wollen. Die dort notwendigen Mechanismen sind in der heutigen Zeit nicht mehr angebracht und sollten auch korrigiert werden. Trotzdem stecken sie so tief in uns drin, dass sie noch immer unser Erleben und Verhalten bestimmen. Hinzu kommt, dass unser Belohnungssystem nicht auf das Honorieren von rationalen Entscheidungen angelegt ist.
Die Hirnforschung hilft nicht beim Training, aber sie schafft so viel Verständnis, dass man mit ihr wahrscheinlich besser coachen kann und auch die Teilnehmer solcher Seminare besser motivieren kann.

Liegt in Erkenntnissen der Neuroökonomie eine Gefahr für Konsumenten? Wenn ja, wie kann man sich dagegen schützen?

Gewiss gibt es diese Gefahr. Dies liegt daran, dass es an der Weiterbildung der Konsumenten hapert. Alle unsere Erkenntnisse sind öffentlich zugänglich, und in zahlreichen Vorträgen vor Laien in Volkshochschulen und ähnlichen Einrichtungen trage ich zu ihrer Vermittlung bei.
Die Gefahr ist natürlich keine neue: Vor allem Diktaturen nutzen massiv die diversen Möglichkeiten zur Beeinflussung von Menschen und wie wir wissen fallen viele darauf herein. Aus meiner Sicht hilft Neuroökonomie beim Verstehen beider Seiten, der Marketing-Seite und der der Konsumenten.

Wie würden Sie das Verhältnis der Neurowissenschaften zur Philosophie beschreiben?

Dieses Verhältnis kann ich nicht beschreiben. Ich bringe Philosophen eine große Achtung entgegen und habe zahlreiche Diskussionen mit ihnen geführt, bin aber auf ihrem Gebiet wenig gebildet. Ich habe das Gefühl, dass hier zwei Welten aufeinander treffen. Die philosophische Welt ist eine gut durchdachte, die sehr eloquent vorgetragen wird. Die Neurowissenschaft verfügt über Erkenntnisse, manchmal nur aus einzelnen Experimenten, und versucht zu verallgemeinern. Beide Wissenschaftsrichtungen sind aber kein Gegensatz. Sie sollten sich ergänzen, durch viele Diskussionen.

Sie waren der (alphabetische) Erstautor des vielzitierten Manifests „Hirnforschung im 21. Jahrhundert“, das 2004 in der Zeitschrift Gehirn und Geist erschien. Wo sehen Sie
seither die größten Fortschritte?


Das Manifest gibt eine Sammelmeinung wieder. Wir wollten damit ein wenig relativieren, was andere sehr pointiert und wahrscheinlich auch etwas überzogen dargestellt hatten.
Die Frage des freien Willens ist eine Frage der Konsequenzen daraus. Neurobiologisch ist ein Entscheidungsprozess eine Mischung aus chemischen und elektrischen Abläufen im Gehirn. Erst im Einzelfall, wahrscheinlich ausgelöst durch einen Schlüsselreiz, kann dieser Prozess durch Erziehung, auch Selbsterziehung, in bestimmte Richtungen modifiziert werden.
Einige Personen verfügen jedoch nur über eingeengte Möglichkeiten, an dieser Stelle einzugreifen, was sich oft in dissozialem Verhalten niederschlägt und die Frage nach einer angemessenen Bestrafung aufwirft. Um hier eine Lösung zu finden, müssen neurobiologische Grundlagen und andere Aspekte bedacht werden.
In den USA versucht man es Boot-Camps, doch aufgrund der mäßigen Erfolge bedarf dieses Konzept einer Überdenkung vielleicht einer Modifikation auf neurobiologischer Grundlage. Das einzige Ziel muss darin bestehen, ein gutes soziales Miteinander für möglichst viele Menschen zu gewährleisten. Die Ursachen, warum dies bei einzelnen Individuen nicht gelingt, sind so mannigfaltig, dass die Hirnforschung nur Teilaspekte beleuchten kann.


Symposium turmdersinne 2016 
Was treibt uns an?
Motiviation und Frustration aus Sicht der Hirnforschung
30. September bis 2. Oktober 2016., Stadthalle Fürth
Anmeldung
#symp2016 


Zum Weiterlesen: 

Das Symposium 2016 im turmdersinne-Blog




Bisher erschienen:

Symposium turmdersinne 2016
Was treibt uns an?
Motivtaion und Frustration aus Sicht der Hirnforschung
30. September bis 2.Oktober 2016, Stadthalle Fürth
Anmeldung
#symp2016


Freitag, 3. Juni 2016

Symposium 2016: Likes und Schokolade



Bereits eine Portion Schokolade oder ein kleiner Geldgewinn können uns motivieren und das Belohnungssystem im Hirn ganz schön auf Trab bringen. Dass dies - zumindest bei Jugendlichen - auch ohne Kalorien oder Kohle klappt, hat nun ein kalifornisches Forscherteam gezeigt. Demnach wirken Likes auf sozialen Netzwerken sowohl belohnend als auch verhaltenssteuernd - so die Studie mit 32 Probandinnen und Probanden zwischen 13 bis 18 Jahren.

Für ihren Versuch schufen Lauren Sherman von der University of California in Los Angeles und ihr Team eine gefakte Plattform für Bilder, ähnlich wie Instagram. Dort luden sie insgesamt 148 Bilder hoch, darunter einige, die die Jugendlichen selbst mitgebracht hatten. Um die Illusion eines sozialen Netzwerkes perfekt zu machen, versahen sie die Bilder mit unterschiedlichen Anzahlen von "Likes", die scheinbar von anderen jugendlichen Usern stammten.

Während die Probanden die Bilder betrachteten, wurde ihre Hirnaktivität per fMRT beobachtet. Sahen sie eines ihrer Bilder mit vielen Likes, war besonders ein Teil des Belohnungssystems aktiv, der Nucleus accumbens. Er gilt als bedeutender Teil der Motivationssteuerung im Gehirn. Vergleichbare Reaktionen kennen die Forscher vom Schokoladengenuss oder von Geldgewinnen.

Der enorme soziale Einfluss zeigte sich, als die Jugendlichen selbst Bilder liken durften. Hatte ein Bild bereits viele Likes bekommen, waren sie eher motiviert, es positiv zu beurteilen. War dieselbe Abbildung jedoch mit weniger Likes versehen, wurde sie auch von ihnen seltener gelikt. Dabei war es egal, ob darauf ein neutrales Motiv (Speisen, Freunde) oder ein kontroverses (etwa Zigaretten oder Alkohol) zu sehen war.

Müssen sich Eltern von Jugendlichen also sorgen, dass der Nachwuchs durch Konformitätsdruck zu schädigendem Verhalten motiviert wird? Nicht unbedingt, ist Lauren Sherman überzeugt. Wichtig sei es zu prüfen, mit welchen Online-Freunden die Jugendlichen kommunizieren und welche Inhalte bei ihnen angesagt sind. 
Wenn die Freunde Ihres Kindes positives Verhalten zeigen, dann ist es großartig, dass Ihr Kind dieses Verhalten miterlebt und davon beeinflusst wird. 
Übrigens: Ein ganzes langes Wochenende, vollgepackt mit aktuellen Forschungen und spannenden Diskussionen über viele Facetten der Motivatiosforschung bietet das Symposium turmdersinne vom 30. September bis 02. Oktober 2016. Das aktuelle Programm finden Sie hier.

 Foto: Shutterstock 
Text: Inge Hüsgen

Symposium turmdersinne 2016
Was treibt uns an? 
Motivation und Frustration aus Sicht der Hirnforschung 
30. September - 02. Oktober 2016, Stadthalle Fürth
Anmeldung
#symp2016


Zum Weiterlesen: 
Sherman, L. E.; Payton, A. E.; Hernandez, L. M.; Greenfield, P. M.; Dapretto, M. (2016): The Power of the Like in Adolescence. Effects of Peer Influence on Neural and Behavioral Responses to Social Media. Psychological Science, 31. Mai 2016.

Sonntag, 29. Mai 2016

Außer Sinnen: Die "Wette" um das Masernvirus

Dr. David Bardens

Der kleine Max, 1994 geboren, hatte als Kleinkind eine Maserninfektion, von der er sich gut erholte. Bis er in der dritten Klasse Gedächtnisstörungen und andere Ausfälle zeigte. 2004 dann die tödliche Diagnose: SSPE, eine Spätfolge der Masernerkrankung. Zwei Jahre später verschlechterte sich der Zustand des Jungen innerhalb weniger Stunden dramatisch, 2014 verstarb Max im Hospiz.

Ein weiteres SSPE-Opfer ist Aliana. 2010 geboren, erkrankte sie schon im drittem Lebensmonat an Masern. Im Alter von vier Jahren wurde das Mädchen zeitweise aggressiv, zeigte Sprachprobleme, sackte immer häufiger in sich zusammen. Heute ist Aliana ein Pflegefall. 

Ärzte wie Dr. David Bardens kennen solche Fälle nur zu gut. Noch immer werden die Masern als Kinderkrankheit verharmlost, obwohl jährlich über 100 000 Menschen daran sterben. Todesfälle gibt es auch in Deutschland, so forderte etwa die Berliner Masernwelle 2015 ein Todesopfer. Die Spätfolgen sind noch unbekannt.

Es braucht nur einen kleinen Pieks, um solche Schicksale zu verhindern. Doch Impfgegner machen lauthals Stimmung dagegen - einige behaupten sogar, es gäbe gar keine Masernviren. Einer von ihnen, Dr. Stefan Lanka - übrigens promovierter Biologe - hatte für den Beweis des Masernvirus ein Preisgeld von 100 000 Euro ausgesetzt. David Bardens nahm die Herausforderung an und belegte mit mehreren Studien, dass dieser Krankheitserreger wirklich exisitert. 

Als sich Lanka weigerte zu zahlen, zog Bardens vor Gericht, die endgültige Entscheidung fiel Anfang dieses Jahres im Berufungsverfahren beim Oberlandesgericht Stuttgart. Aufgrund eines formaljuristischen Details  braucht Lanka die 100 000 Euro nicht zu zahlen. Der Journalist und Prozessbeobachter Bernd Harder wertet die Entscheidung als "Sieg in der Sache" für Bardens. 
Von diesem Detail abgesehen, ließ die Kammer indes kaum einen Zweifel daran aufkommen, dass Lanka in der Tat "selbst erdachte Hypothesen als Argumente anbringt" und "mit seiner Argumentation außerhalb jeglicher etablierter wissenschaftlicher Standards" agiert, wie [der Gutachter, d. Red.] Podbielski es vor einem Jahr formuliert hatte.
Über den viel beachteten Masernprozess und die gefährliche "Alternativmedizin"-Szene berichtet Dr. David Bardens am kommenden Dienstag im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Außer Sinnen". Sein Fazit:
Die Herausforderung von Scharlatanen ist mein Hobby. Wer sich an der Gesundheit unserer Kinder vergeht, muss sich meiner Kritik stellen.

Dienstag,  31. Mai 2016
Nicolaus-Copernicus-Planetarium Nürnberg
Außer Sinnen:
Dr. David Bardens: Die "Wette" um das Masernvirus und andere Absonderlichkeiten
Ist Alternativmedizin wirklich eine Alternative?
Eintritt. 7,- € (erm.: 5,- €)
Buchung über BZ Nürnberg, Kurs 00931
#AußerSinnen


Zum Weiterlesen:

Samstag, 21. Mai 2016

Symposium 2016: Frustrierte Fuchshörnchen

Wer kennt das nicht? Da freut man sich auf etwas Schönes - und wird doch enttäuscht.  Mit dieser Emotion sind wir Menschen offenbar nicht allein, auch Tiere wie Fuchshörnchen (Sciurus niger) kennen sie. Doch letztlich wächst aus  Frust die Motivation für kreative Problemlösungen, ist Mikel Delgado von der University of California in Berkeley überzeugt. 


Bei diesen Nagern, Verwandten der heimischen Eichhörnchen, ist es für Beobachter besonders einfach, den Frustrationsgrad zu erkennen. Je größer der Frust, desto stärker wippen sie mit ihrem Puschelschwanz.

Und dazu gab ihnen der Versuchsaufbau von Delgado und seiner Kollegin Lucia Jacobs einigen Anlass. Die Hörnchen, die auf dem Universitätsgelände frei lebten, lernten zunächst, eine kleine Kiste zu öffnen, die Walnüsse enthielt - eine Lieblingsspeise der Tiere. In späteren  Durchgängen bauten die Forscher jedoch verschiedene Frust-Fallen ein: Mal war die Kiste leer, mal verschlossen oder enthielt lediglich ein Maiskorn - ein fader Ersatz für die beliebten Walnüsse.

Angesichts solch einer Enttäuschung war bei den Hörnchen zunächst genervtes Schwanzwippen angesagt. Doch schon bald probierten sie ganz neue Lösungswege aus. Etwa an der Kiste zu knabbern oder sie umzuschubsen - wer weiß, vielleicht lässt sich so eine verschlossene Kiste ja öffnen?

Um Frustration und Motivation geht es auch beim Symposium turmdersinne 2016, das vom 30. September bis 2. Oktober 2016 in Fürth stattfindet. Das Programm  wird derzeit zusammengestellt, den aktuellen Stand finden Sie hier.

Inge Hüsgen 

Symposium turmdersinne 2016
Was treibt uns an? 
Motivation und Frustration aus Sicht der Hirnforschung 
30. September - 02. Oktober 2016, Stadthalle Fürth
Anmeldung
#symp2016


Zum Weitelesen

Sonntag, 15. Mai 2016

Von Sinnen: Mann, Frau oder was?


Im US-Bundesstaat North Carolina soll ein neues Gesetz die Frage ganz einfach lösen: Die Geburtsurkunde entscheidet. Wer dort als männlich eingetragen ist, geht in staatlichen Einrichtungen auf die Herrentoilette, Menschen mit dem Eintrag "weiblich" auf die Damentoilette.

Einfach, gewiss. Zu einfach. Denn unsere sexuelle Identität hängt nicht allein von den äußerlichen körperlichen Merkmalen ab, mit denen wir zur Welt gekommen sind. Vielmehr bestimmt ein komplexen Zusammenspiel vieler Faktoren, welchem Geschlecht wir uns zugehörig fühlen.

Kein Wunder, dass das "Toilettengesetz" einen Sturm der Entrüstung entfacht hat. Weil es Transgender diskriminiert, kippen Unternehmen geplante Investitionen in dem Bundesstaat, Künstler sagen Tourneen ab, und das US-Justizministerium hat Klage eingereicht.

Aber wovon hängt es ab, wie wir unser Geschlecht definieren? Die Mechanismen der sexuelle Identität erforscht die Philosophin, Biologin und promovierte Biochemikerin Dr. Nadine Hornig. Seit 2011 beschäftigt sie sich am Institut für Humangenetik und Department für Kinderendokrinologie der Universität Schleswig Holstein mit Störungen der sexuellen Entwicklung. Die Einrichtung diagnostiziert und behandelt hormonelle Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen.

Nadine Hornig
Was wir heute über die Herausbildung von körperlichem und gefühltem Geschlecht wissen, erklärt Horning am nächsten Dienstag, 17. Mai 2016, im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Von Sinnen".

Dabei wird vor allem eins klar: Es wird Zeit für einen Abschied von der scharfen Trennung zwischen "männlich" und "weiblich".

Dienstag,  17. Mai 2016
Nicolaus-Copernicus-Planetarium Nürnberg
Von Sinnen: Dr. Nadine Hornig: Mann, Frau oder was?
Wie Gene und Hormone unser körperliches und psychisches Geschlecht beeinflussen
 Eintritt. 7,- € (erm.: 5,- €)
Buchung über BZ Nürnberg, Kurs 00925
#VonSinnen

Samstag, 14. Mai 2016

Pfingstferien im Hands-on-Museum


Endlich Pfingstferien!

Für die Zeit vom 14. bis 29. Mai 2016 hat das turmdersinne-Team wieder ein spannendes Programm für Kinder und andere Neugierige zusammengestellt: 
  • Donnerstag, 19. Mai: Forscherrundgang für Kinder zwischen 6 und 10 Jahren
  •  Samstag, 21. Mai: Gedächtnisführung für alle ab 12 Jahren 
  • Sonntag, 29. Mai: Familien-Erlebnis-Tour für alle ab 8 Jahren 
  •  Für Hortkinder der 2. bis 4. Klasse bietet der turmdersinne darüber hinaus in der Ferienzeit wochentags von 9.30 bis 11.30 Uhr eine Sonderführung mit Workshop an. In der aktuellen Sonderausstellung lernen sie Anamorphosen kennen und erschaffen anschließend selbst solche "verrückten Bilder". Dazu erhält jedes Kind ein "Junior-Set", mit dem es anschließend zuhause weiter mit Anamorphosen experimentieren kann.
Außerdem lädt in der gesamten Ferienzeit eine Rätselaktion für Kinder zum Mitmachen und Entdecken ein.

Übrigens: Das Hands-on-Museum ist an allen Ferientagen (auch montags) von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Anmeldung und weitere Informationen zu den Ferienangeboten hier.

Dienstag, 10. Mai 2016

Was trächtigen Fruchtfliegen schmeckt - und warum

Der reproduktive Zustand des Fliegenweibchens schickt Signale an das Gehirn, worauf sich die Sinneswahrnehmung ändert. Das Bild zeigt einen Teil des reproduktiven Systems mit Uterus der weiblichen Fliege.

Saure Gurken und Schoki mit Senf: Die ungwöhnlichen Geschmacksvorlieben von Schwangeren sind geradezu sprichwörtlich. Auf irgend eine Weise muss sich in dieser Zeit die Geruchs- und Geschmackswahrnehmung ändern. Wie dies genau geschieht, ist bisher noch nicht ganz geklärt.

Auch trächtige Insekten bevorzugen ganz bestimmte Nahrung. Warum, hat nun ein Forscherteam vom Max-Planck-Institut für Neurobiologie in Martinsried bei Versuchen mit Fruchtfliegen entdeckt. Dabei wiesen sie erstmals einen Mechanismus nach, der bei Trächtigkeit die chemosensorischen Nervenzellen so verändert, dass wichtige Nahrungsbestandteile anders wahrgenommen und deshalb in größeren Mengen verzehrt werden.

Bei den Untersuchungen zeigte sich, dass befruchtete Fliegenweibchen offenbar den Geschmack und Geruch bestimmter Nährstoffe, der Polyamine, im Gehirn anders verarbeiten. Deshalb nehmen sie mehr polyaminreiche Nahrung zu sich, was wiederum die Anzahl der überlebenden Nachkommen steigert. 

Aber was bringt die trächtigen Fruchtfliegen dazu, diese Stoffe zu bevorzugen? Die Tiere verfügen in ihren Sinnesorganen über eine höhere Konzentration eines Rezeptors, des "Sex Peptid Rezeptors" (SPR). Bisher wusste man lediglich, dass der SPR die Produktion von Eiern bei befruchteten Fliegen anregt, so Ashiq Hussain, einer der Autoren der Studie.
Dass der SPR auch die Aktivität der Nervenzellen reguliert, die den Geschmack und Geruch von Polyaminen erkennen, hat uns überrascht.
Es ist denkbar, dass eine solche Wahrnehmungsveränderung einen evolutionären Vorteil bietet, erklärt Koautorin Habibe Üc̗punar weiter: 
Da Geruch und Geschmack in Insekten und Säugetieren ähnlich verarbeitet werden, könnte ein entsprechender Mechanismus auch bei uns Menschen dafür sorgen, dass das heranwachsende Leben optimal versorgt ist.

Dienstag, 3. Mai 2016

Blaue Nacht im Hands-on-Museum


Ist, was wir wahrnehmen, immer wahr?

Wer schon einmal im Hands-on-Museum turmdersinne versucht hat, das Gewicht der "magischen Klötzchen" zu schätzen oder vor der Gleichgewichtswand die aufreche Haltung zu bewahren, ahnt die Antwort: Sinnesorgane und Gehirn präsentieren uns kein Abbild der Realität, sondern bereits eine interpretierte Version. Wahrheit? Denkste!

Wahrheit, so lautet das Motto der diesjährigen "Blauen Nacht" in Nürnberg, die am kommenden Samstag,  7. Mai 2016, stattfindet. Das Hands-on-Museum ist als eine von 80 Institutionen dabei. Durchgehend von 19:00 bis 01:00 Uhr können die Besucher mit den verschiedenen Exponaten Wahrnehmung und Hirn unterhaltsam aufs Glatteis führen.

Ein Highlight ist die aktuelle Sonderausstellung "Anamorphosen" mit tollen Exponaten sowie Wandgemälden von Daniel Pichlmeier und Yvonne Rausch. Und für die Gehirnzellen gibt's zur Aufmunterung zwei Espresso - oder irren wir uns da gerade?

Achtung: Aufgrund begrenzter Raumkapazitäten kommt es regelmäßig zu Wartezeiten. Bitte fragen Sie die turmdersinne-Mitarbeiter vor Ort.


Freitag, 29. April 2016

Von Sinnen: "Ich bin doch kein Rassist!"



Haben Sie blaue Augen? Dann sind Sie ihren braunäugigen Mitmenschen auf ganzer Linie unterlegen. Das wurde kürzlich in einem Experiment gezeigt.

Selbst bei einfachen Aufgaben schnitten die Blauäugigen deutlich schlechter ab als Probanden mit braunen Augen. Als Ursache für die verminderte Intelligenz wird eine Hirnschädigung durch ungehinderte Sonneneinstrahlung durch die blaue Iris diskutiert.

Glauben Sie nicht? Das Experiment gibt es tatsächlich, allerdings ging es dabei um Verhalten und Selbstbild von sozialen Gruppen. Die Sache mit der Augenfarbe war lediglich der Aufhänger für die Inszenierung einer "Apartheids"-Gesellschaft unter den Probanden.

Das  beklemmende Szenario hat der TV-Sender ZDF_neo mit einem Anti-Rassismus-Trainer aufgezogen. Beteiligt war auch die Sozialpsychologin Prof. Juliane Degner von der Uni Hamburg.

Degner beschäftigt sich in ihren Forschungen eingehend mit Alltagsrassismus. Dieses Denkmuster tritt dann auf, wenn man die Angehörigen einer bestimmten Gruppe für höherwertiger hält als Menschen aus anderen Gruppen - und sei es anhand eigentlich unbedeutender Gruppenmerkmale.

Im TV-Experiment entschied die Augenfarbe der Teilnehmer über Privileg oder Benachteiligung. Die Braunäugigen erfuhren eine  zuvorkommende Behandlung und kassierten selbst für einfachste Aufgaben Lob vom Trainer.

Ganz anders erging es den Blauäugigen: Durch einen grünen Kragen gebrandmarkt, mussten sie abschätzige Sprüche und andere Demütigungen ertragen.

Einzelne Widersetzungsversuche scheiterten, beide Gruppen fügten sich weitgehend in das beklemmende Szenario - selbst die kuriose Erklärung für die angebliche Intelligenzminderung durch Sonnenlicht wurde akzeptiert.

Das zeigt vor allem eins, resümiert der Moderator der Sendung, Amiaz Habtu,
dass kaum einer von uns davor gefeit ist, in die Opferrolle zu geraten oder zum Täter zu werden. 
Die Folgen reichen sogar noch weiter:
Wenn einem Menschen lang genug eingeredet wird, er sei minderwertig, glaubt er es früher oder später selbst.  
Warum wir so ticken - und in welchem Maße wir dem Diskriminierungs-Programm im Kopf entgegenwirken können, das erklärt Degner am Dienstag, 3. Mai, im Nürnberger Nicolaus-Copernicus-Planetarium. Die Veranstaltung ist Teil der Reihe "Von Sinnen".



Dienstag,  3. Mai 2016
Nicolaus-Copernicus-Planetarium Nürnberg
Von Sinnen: Prof. Juliane Degner: "Ich bin doch kein Rassist!"
Warum wir im Alltag manchmal Einstellungen zeigen, die wir uns selbst nicht zutrauen
Eintritt. 7,- € (erm.: 5,- €)
Buchung über BZ Nürnberg, Kurs 00924
#VonSinnen

Mittwoch, 27. April 2016

Erinnerung geht durch die Nase


Ein Areal unseres Gehirns ist spezialisiert auf die Erinnerung von Gerüchen. Zu diesem Ergebnis kommt nun eine Studie von Neurowissenschaftlern der Ruhr-Universität Bochum und der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität. Damit eröffneten die Wissenschaftler ein neues Forschungsfeld: Bisherige Untersuchungen hatten sich schwerpunktmäßig mit der Wirkung von Tast-Erfahrungen auf die Erinnerung an ein Objekt befasst.

Für die aktuelle Versuchsreihe griffen die Forscher auf bildgebende Verfahren und auf – ein Kinderspielzeug - zurück. Aus den Teilen des Konstruktionssystems bauten sie neue Gegenstände und versahen sie mit einem Duft, etwa nach Pfefferminze.  

Die 16 Probanden sollten zunächst die Gegenstände anschauen, wobei sie auch deren  Geruch wahrnahmen. Im Gegensatz zu früheren Studien hatten sie keine Gelegenheit, die Objekte zu betasten. 

Anschließend zeigte man ihnen Bilder verschiedener Gegenstände, darunter einige gerade kennengerlernte, aber auch ganz neue. Aufgabe der Versuchspersonen war es, für jedes Objekt zu entscheiden, ob es bereits bekannt oder neu für sie war. Währenddessen wurde ihre Hirnaktivität im Magnetresonanztomografen (MRT) beobachtet.

Dabei zeigte sich bei der Wahrnehmung von bekannten, bedufteten Objekten eine starke Aktivität im rechten vorderen Hippocampus. Bereits seit längerem weiß man, dass dieses Hirnareal eine bedeutende Rolle für Lernen und Gedächtnis spielt. Neu ist die Erkenntnis, dass ein Teil des Hippocampus offenbar auf die Erinnerung an Gerüche spezialisiert ist.

Und wie sieht es mit der Rolle anderer Sinneskanäle, wie Riechen oder Schmecken, beim  Speichern von Erinnerungen aus? Das sollen künftige Forschungen zeigen.

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