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Donnerstag, 30. Juli 2015

Symposium 2015: "Denk mal" in Trümmern




Sie schlagen ohne offensichtlichen Grund zu, treten auf ihr Opfer selbst dann noch ein, wenn es hilflos am Boden liegt: Die Taten gewaltbereiter Jugendlicher sorgen immer wieder für schreckliche Schlagzeilen.

Unsere Reaktionen auf solche Nachrichten zeugen von Hilflosigkeit. Doch weder Entsetzen noch wohlfeile Stammtischparolen tragen zur Lösung des Problems bei. Ein guter Grund also, jugendliche Gewalt in den Fokus der psychologischen Forschung zu stellen. Denn wer Gewalt erfahren hat - vor allem als Kind - trägt die Spuren auch im späteren Leben mit sich.

Denn in den ersten Lebensjahren lernen wir, am Verhalten anderer Menschen deren Überzeugungen, Gefühle und Wünsche abzulesen. Wir entwickeln die Fähigkeit zu mentalisieren, wie Psychologen sagen. So fühlen wir den Schmerz unseres Gegenübers mit und achten darauf, ihn oder sie nicht zu verletzen. Doch nicht immer gelingt dieser Prozess. 
Die Ausprägung dieser Fähigkeit hängt maßgeblich von der Qualität der frühen Eltern-Kind-Beziehung ab,

erklärt Prof. Svenja Taubner. Die Psychoanalytikerin leitet das Institut für Psychologie und die Abteilung Klinische Psychologie, Psychoanalyse und Psychotherapie der Uni Klagenfurt und
beschäftigt sich in ihren Forschungen mit Störungen des Sozialverhaltens. Entscheidend sind hier die ersten fünf Lebensjahre, so Taubner:
Sind frühe Beziehungen durch Unverständnis und Gewalt geprägt, so kann dies zu einer Hemmung oder Verzerrung von Mentalisierung führen. Die mangelnde Verfügbarkeit von Mentalisierung wird besonders in der Jugend auffällig, wenn die Kontrolle durch die Eltern nachlässt und Jugendliche sich mit komplexer werdenden sozialen Umwelten konfrontiert sehen. Besonders unter emotionalem Stress kann die reflexive Fähigkeit versagen und damit sinken die Hemmschwellen, andere zu verletzen.
Wer als Kind Gewalt oder Vernachlässigung erlebt hat, läuft also Gefahr, später selbst zum Täter zu werden. Ein Teufelskreis? Nicht unbedingt, ist Svenja Taubner überzeugt. Beim Symposium turmdersinne 2015 erklärt sie, wie Therapeuten und Therapeutinnen sich die aktuellen Forschungsergebnisse für ihre Arbeit mit jugendlichen Gewalttätern zunutze machen.

Inge Hüsgen

Samstag, 10. Oktober 2015, 15:15-16:00 Uhr
Prof. Svenja Taubner
„Denk mal“ in TrümmernGewalt als Zusammenbruch reflexiver Fähigkeiten (Zusammenfassung)

Symposium turmdersinne 2015
Gehirne zwischen Liebe und Krieg
9.-11. Oktober 2015, Stadthalle Fürth
Anmeldung
#symp2015


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Donnerstag, 23. Juli 2015

Symposium 2015: Darwins dunkles Erbe


Evolutionsmotor Krieg? Charles Darwin Darwin vermutete in gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Menschengruppen einen bedeutenden Faktor für die evolutionäre Entwicklung unseres Sozialverhaltens. Doch im 20. Jahrhundert legten Verhaltensbiologen und Anthropologen diese Idee erst mal auf Eis. Gleichwohl sorgt sie heute wieder für hitzige Debatten. 

Ebenfalls in den Fokus der Aufmerksamkeit ist ein weiteres Phänomen gerückt, das im Englischen "parochial altruism" genannt wird: Man zeigt sich bei den eigenen Leuten loyal bis zur Selbstaufgabe, aber misstrauisch bis aggressiv gegenüber Fremden - eine nur allzu bekannte Verhaltensweise, ob am Stammtisch oder in der Weltpolitik. 

Doch während wir uns mit der Vorstellung gegenseitiger Hilfe unter Individuen gern anfreunden, wirft sie für Evolutionsbiologen ebenso spannende Fragen auf wie der Krieg, der seine blutige Spur durch Zeiten und Kontinente zieht. 

Welchen evolutionären Vorteil bringt es, sich für die Gruppe aufzuopfern? Und was wissen wir heute über die Einflüsse gewaltsamer Zwischengruppenkonflikte in der Evolution menschlichen Sozialverhaltens?

Mit solchen Fragen befasst sich der Verhaltensökonom, Wirtschaftsethiker und promovierte Biologe Dr. Hannes Rusch. Heute erforscht er die Evolution von Kooperation und Altruismus und wie es zu Konflikten zwischen verschiedenen Menschengruppen kommt. Dabei greift Rusch auf die evolutionäre Spieltheorie, statistische Analysen historischer Daten und die Methoden der experimentellen Ökonomik zurück. Welche aktuellen Ergebisse derzeit diskutiert werden, erläutert er beim Symposium turmdersinne 2015. 



Samstag, 10. Oktober 2015, 14:30-15:15 Uhr
Darwins dunkles Erbe
Gewaltsame Zwischengruppenkonflikte in der menschlichen Evolution (Zusammenfassung)
 
Symposium turmdersinne 2015
Gehirne zwischen Liebe und Krieg
9.-11. Oktober 2015, Stadthalle Fürth
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#symp2015


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Mittwoch, 15. Juli 2015

Symposium 2015: Das Menschenbild der Neurowissenschaften und die Ethik

Foto: Evelin Frerk

Erleben wir eine Revolution des Menschenbildes durch die Fortschritte der Neurowissenschaften? Zu einer vorsichtigen Einschätzung dierser Fragekommt Prof. Dieter Birnbacher, Professor für Philosophie an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Giordano-Bruno-Stiftung. Denn die meisten der neuen Erkenntnisse bestätigen lediglich ältere Thesen, die in der Psychologie bereits lange diskutiert werden, so Birnbacher. Gleichzeitig blieben zentrale Fragen der Anthropologie weiterhin wissenschaftlich ungeklärt.

Spannend wird es jedoch, wenn wir die kognitiven Grundlagen gemeinsamer Handlungen betrachten, so Birnbacher:
Viele menschliche Interaktionen und Errungenschaften beruhen auf der Fähigkeit, unsere Handlungen mit denen anderer abzustimmen. Dies reicht vom Zuprosten in der Kneipe bis zu herausragenden Koordinationsleistungen beim Synchronspringen, beim Tangotanzen oder beim Spielen eines Klavierduetts. Um die dem gemeinsamen Handeln zugrunde liegenden kognitiven Prozesse zu verstehen, reicht es nicht aus, Individuen isoliert zu betrachten.
Genau dies geschieht derzeit in den Kognitionswissenschaften - mit überraschenden neuen Resultaten. Auf dem Symposium turmdersinne 2015 stellt Birnbacher einige dieser Forschungen vor.

Übrigens: Über das Verhältnis von Philosophie und Neurowissenschaften und den Einfluss akuteller Forschungsergebnisse auf unser Menschenbild hat sich Helmut Fink mit ihm unterhalten.  

Samstag, 10. Oktober 2015, 11:45-12:30 Uhr
Prof. Dieter Birnbacher
Des Kaisers neue Kleider?Das Menschenbild der Neurowissenschaften
und die Ethik (Zusammenfassung)

Symposium turmdersinne 2015
Gehirne zwischen Liebe und Krieg
9.-11. Oktober 2015, Stadthalle Fürth
Anmeldung
#symp2015

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Freitag, 10. Juli 2015

Symposium 2015: Die Biologie des Vergebens



Die kleine Schwindelei, der vergessene Hochzeitstag oder sogar der Seitensprung: Wenn die Bedingungen stimmen, können wir so einiges verzeihen. Jeder von uns kennt Menschen, die rasch vergeben, und andere, geradezu nachtragende Zeitgenossen. Sogar wir selbst tendieren mal zum einen, mal zum anderen Extrem - oft ohne den genauen Grund zu kennen.

Was Beziehungen und andere Sozialkontakte nach einem Konflikt wieder zusammenkittet, hat inzwischen auch Forscher verschiedener Fachrichtungen auf den Plan gerufen. Denn Vergeben ist ein komplexer Prozess,

in dem kognitive, emotionale, motivationale und relationale Faktoren interagieren,

weiß Dr. Angela Merkl, Diplom-Psychologin und Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie an der Charité Universitätsmedizin Berlin.

Doch welche Faktoren bestimmen, ob wir nach einer Kränkung verzeihen oder schmollen und vielleicht sogar Rachepläne schmieden? Inwieweit spielt die Nähe zum eigenen Lebenspartner oder zu einer unbekannten Person eine Rolle? Merkl und ihr Team sind dieser Frage in einer bildgebenden Studie nachgegangen. Erfahren Sie mehr in ihrem Vortrag beim Symposium turmdersinne!


Samstag, 10. Oktober 2015, 11:00-11:45
Dr. Angela Merkl
Die Biologie des Vergebens
Was im Gehirn passiert, wenn wir verzeihen

Symposium turmdersinne 2015
Gehirne zwischen Liebe und Krieg
9.-11. Oktober 2015, Stadthalle Fürth
Anmeldung
#symp2015


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Freitag, 3. Juli 2015

Das Symposium 2015 im turmdersinne-Blog



Bisher erschienen:

Symposium turmdersinne 2015
Gehirne zwischen Liebe und Krieg 
9.-11. Oktober 2015, Stadthalle Fürth
Anmeldung
#symp2015

Mittwoch, 1. Juli 2015

Symposium 2015: Wir sind Überlebenskünstler

Es ist spät am Abend und Sie sind allein unterwegs. Der Weg führt durch eine dunkle Unterführung und niemand sonst ist auf der Straße zu sehen. Da - ein Geräusch! Sind das etwa Schritte hinter Ihnen? Ihr Herz schlägt schneller, die Schritte beschleunigen sich. Gleichzeitig lauschen Sie gespannt in die Nacht. Ist da etwa noch mehr zu hören? Erst als Sie wieder unter freiem Himmel stehen, blicken sie sich um: nichts, nur ein raschelndes Papier im Wind. Puh, noch mal Glück gehabt!

Wenn wir uns bedroht fühlen, schaltet der Körper auf Alarm. Jeden Augenblick bereit zu flüchten oder uns zu verteidigen, nehmen wir Geräusche und andere Reize überdeutlich wahr, während der logische Verstand herunterfährt. Ein Erfolgsrezept der Evolution, denn lieber ein paar Mal blinder Alarm als unvorbereitet in reale Gefahr geraten!

Doch was ist, wenn jemand ständig Bedrohungen wittert, selbst in objektiv ungefährlichen Situationen? Angstpatienten wissen, dass ein übersensibles Alarmsystem den Menschen kaum noch zur Ruhe kommen lässt.

Wie sich solche individuellen Unterschiede im Gehirn widerspiegeln und in welcher Weise Erinnerungen an frühere Situationen unsere Reaktion auf - gefühlte oder reale - Bedrohung beeinflussen, erforscht Guillén Fernandéz, Professor für kognitive Neurowissenschaften und Direktor des Donders Instituts an der Radboud Universität Nimwegen. Verpassen Sie nicht seinen Vortrag auf dem Symposium turmdersinne 2015!


Samstag, 10. Oktober 2015, 09:45-10:30 Uhr
Prof. Dr. Guillén Fernández
Wir sind ÜberlebenskünstlerNeurobiologie der Gefahrenabwehr

Symposium turmdersinne 2015
Gehirne zwischen Liebe und Krieg 
9.-11. Oktober 2015, Stadthalle Fürth
Anmeldung
#symp2015



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