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Freitag, 14. November 2014

Foto-Workshop und Philosophie im Turm


Ein Foto-Workshop für Schülerinnen und Schüler und ein Gespräch unter Philosophen stehen nächste Woche im Hands-on-Museum auf dem Programm.

Los geht's am schulfreien Mittwoch, 19. November („Buß- und Bettag“) mit einen Angebot für Jugendliche ab 12 Jahren. Unter dem Motto "Spaß am Sehen" lernen die jungen Teilnehmer zunächst anhand von Ausstellungsexponaten die Grundlagen des Sehens kennen. Anschließend erforschen sie gemeinsam mit der Nürnberger Fotokünstlerin Annette Horn, welche Bildeffekte sich durch Schatten, Spiegel, Prismen und Farbfilter herbeizaubern lassen. Bitte Fotokamera/-Handy nicht vergessen!

Am darauffolgenden Donnerstag, 20. November, dem „UNESCO-Welttag der Philosophie“, wird im 5. Stock des Turms, dem „Oberstübchen“ in kleiner, lockerer Runde diskutiert. "Geist im Turm" heißt der Termin, zu dem Gastgeber Helmut Fink alljährlich Gesprächspartner mit philosophischem Hintergrund einlädt. In diesem Jahr begrüßt er die beiden Vorsitzenden der Gesellschaft für kritische Philosophie Nürnberg (GKPN) und der Ludwig-Feuerbach-Gesellschaft (LFG) Helmut Walther und Dr. Frank Schulze. Neben den Aktivitäten dieser beiden Nürnberger Gesellschaften werden im Gespräch auch Werk und Wirkung von Philosophen wie David Hume, Ludwig Feuerbach und Karl Popper zur Sprache kommen. Willkommen sind alle Interessenten, die Neugierde auf die Ideen dieser einflussreichen Denker mitbringen.

  • Mittwoch, 19.11.2014, 9.30 bis 13.00 Uhr: Workshop "Spaß am Sehen" in Kooperation mit dem Humanistischen Verband Deutschlands HVD Bayern. Eintritt und Material: 9,- Euro. Das Angebot setzt sich zusammen aus der Führung (60 min.) und demWorkshop (90 min.), beide sind nur zusammen buchbar. 
  • Donnerstag, 20.11.2014, 19.30 Uhr: Geist im Turm. Eintritt 8,- € / erm. 6,- €. 
Aufgrund der räumlichen Gegebenheiten sind die Teilnehmerzahlen für beide Veranstaltungen begrenzt. Um Voranmeldung wird daher gebeten: 0911 / 9443281 oder hier.


Dienstag, 4. November 2014

Raben: Strategische Machtspiele



Dass Rabevögel ein komplexes Sozialleben führen, wissen wir schon seit längerem. Eine ganze Reihe von Beispielen für die sozialen Kompetenzen der klugen Vögel hat der Zoologe und Evolutionsbiologe Josef Reichholf in einem Buch gesammelt. Beim Symposium turmdersinne 2014 im September berichtete Reichholf ebenfalls über das Sozialleben dieser Tiere.

Ausgeklügelt sind auch die Strategien, mit denen die Vögel ihre eigene Position in der Gruppe sichern. Worum es dabei geht? Um Beziehungspflege und Bündnispolitik – und darum, mißliebige Allianzen zum richtigen Zeitpunkt zu verhindern. 

Was so menschlich klingt, haben Kognitionsbiologen der Uni Wien und der Konrad-Lorenz-Forschungsstelle in Grünau bei wildlebenden Kolkraben in den Alpen beobachtet – erstmals, wie die Forscher betonen. Kolkraben schließen durch gegenseitiges Kraulen Bündnisse untereinander, die sich bei Konflikten innerhalb der Gruppe auszahlen: Bei Streitigkeiten kann jedes Tier auf die Unterstützung seiner Verbündeten zählen. Wer viele Allianzen mit starken Partnern schließt, wird zu einem starken Gegner und kann die bestehenden Machtverhältnisse durcheinanderbringen.

Doch so glatt geht es nicht immer, wie die Forscher um Thomas Bugnyar feststellten. Nicht selten kam es vor, dass sich ein dritter Rabe störend in die Kraul-Sitzungen einmischte. In der Hälfte aller Fälle gelang es dem Störer sogar, die beiden Partner zu trennen. Und das, obwohl das Manöver ihnen keinen unmittelbaren Vorteil brachte.

Bei den Störern handelte es sich meist um Tiere mit guten sozialen Beziehungen, die Gestörten dagegen waren oft gerade dabei, eine neue Allianz zu knüpfen. Für die Forscher gute Gründe, in den Attacken gezielte Angriffe auf zukünftige Konkurrenten zu vermuten. Allerdings stellten die neuen Bündnisse zum Zeitpunkt des Angriffs noch gar keine Gefahr für den „Status quo“ dar. Es spricht einiges dafür, dass die intelligenten Vögel den taktisch richtigen Zeitpunkt für eine Intervention erkennen.

Inge Hüsgen 

Samstag, 1. November 2014

Wie Babys ängstliche Gesichter erkennen



Stimmen und Gesichter. Das ist es, was uns Menschen interessiert, von Anfang an. Schon Neugeborene reagieren auf den direkten Blick ihres Gegenübers, wie die Heidelberger Entwicklungspsychologin Sabina Pauen beim Symposium turmdersinne 2014 im September erläuterte.

Nicht ohne Grund spricht Pauen von "sozialen Entdeckern in Windeln". Dass Babys offenbar bereits mit sieben Monaten Emotionen im Gesicht ihres Gegenübers erkennen, darauf weisen nun aktuelle Forschungsergebnisse hin. Ein unmerklich kurzer Blick in die Augen genügt dazu, so Sarah Jessen und Tobias Grossmann vom Leipziger Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften.

Eine Schlüsselrolle spielt dabei die weiße Lederhaut des Auges, auch Sclera genannt. Beim Menschen ist sie sehr viel deutlicher zu sehen als bei den meisten Tieren, bei denen lediglich die Iris des Auges sichtbar ist. Dank ihr erkennen wir sofort die Blickrichtung unseres Gegenübers. Besonders stark tritt die Lederhaut bei angstvoll geweiteten Augen zutage – ein Alarmsignal für den Betrachter. 

Doch kommt es dabei tatsächlich nur auf die Lederhaut an? Und reagieren Babys auf solche Signale auch, wenn sie nur für Sekundenbruchteile sichtbar sind? Um dies herauszufinden, zeigten die Forscher ihren kleinen Probanden für 50 Millisekunden Bilder von Gesichtern - zu kurz, um in diesem Alter bewusst wahrgenommen zu werden. Die Bilder waren stark schematisiert und zeigten lediglich die weiße Sclera auf schwarzem Grund, sodass die Babys sich nicht an anderen Bildinformationen, etwa der Mimik, orientieren konnten. Einige Augenpaare schauten die Babys direkt an, andere blickten an ihnen vorbei. 

Wie eine gleichzeitige Messung de Hirnaktivität zeigte, reichten die winzige Zeitspanne und die reduzierte Darstellung aus, um bei den Säuglingen Reaktionen hervorzurufen.Bilder mit ängstlichen Blicken riefen die stärksten Reaktionen in verschiedenen Hirnarealen hervor – besonders, wenn die Augen direkt auf den Betrachter gerichtet waren. Schaute die abgebildete Person am Betrachter vorbei, fiel die Angstreaktion etwas schwächer aus.

Studienleiter Tobias Grossmann kommt zum folgenden Fazit: "Dass Menschen die Blicke und Gefühle anderer schon von frühester Kindheit an lesen können, ist ein Indiz dafür, wie wichtig diese Fähigkeit für unser Zusammenleben ist." Demnach ist das Erkennen von Emotionen in Gesichtern ein zentrales Indiz für die soziale Entwicklung. Gerät sie zwischen dem zweiten und sechsten Lebensmonat ins Stocken, kann dies auf spätere soziale Defizite oder Autismus hinweisen.

Inge Hüsgen