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Mittwoch, 15. Mai 2013

Die besten Illusionen des Jahres

Was für Hollywood die Oscar Night, ist für kreative Wahrnehmungsforscher der Best Illusion of the Year Contest. Seit 2005 vergibt die Neural Correlate Society alljährlich in Naples (Florida) Preise für die verblüffendsten neuen (nicht nur) visuellen Täuschungen. Klar, dass es bei dem einzigartigen Wettbewerb neben der Ästhetik auch auf die geschicke Anwendung von Forschungsergebnisen ankommt. Am vergangenen Montag war es wieder so weit.

Zehn Finalisten hatten es bis in die Endrunde geschafft. Darunter auch das Video "Three-fold Cubes", das einen altbekannten Effekt schön in Szene setzt: Je nach Bildkontext intepretiert das Gehirn eine mehrdeutige Figur ganz unterschiedlich. Der kleine Würfel im Video von Guy Wallis und David Lloyd scheint mal an den großen angehängt, mal haben wir es mit einer ausgesägten Würfelecke zu tun - und in anderen Fällen ist überhaupt kein echter Würfel mehr zu sehen.    

© 2013 Guy Wallis and David Lloyd, mit freundlicher Genehmigung der Neural Correlate Society

Zum Sieger kürte das Publikum eine Arbeit der Japaner Jun Ono, Akiyasu Tomoeda und Kokichi Sugihara (Meiji-Universität und CREST):



© 2013 Jun Ono, Akiyasu Tomoeda and Kokichi Sugihar. Mit freundlicher Genehmigung der Neural Correlate Society

Grundlage des Phänomens ist der allseits bekannte Moiré-Effekt. Der Clip zeigt erstmals eine scheinbare Rotationsbewegung durch bloße Verschiebung. Immer, wenn das Gittermuster über die quadratischen Figuren gleitet, scheinen sich diese um die eigene Achse zu drehen.

Mehr brandneue Illusionen mit Staun-Faktor stellt Professor Michael Bach von der Universitäts-Augenklinik Freiburg am kommenden Dienstag im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Von Sinnen" vor.

Prof. Dr. Michael Bach: Phänomene des Sehens
Dienstag, 21. Mai 2013, 19.30 Uhr
Nicolaus-Copernicus-Planetarium Nürnberg
Eintritt: 7,- Euro (erm.: 5,- Euro)
Buchung über BZ (Kurs-Nr. 00925)

Inge Hüsgen



Mittwoch, 8. Mai 2013

Volles Programm zum Internationalen Museumstag 2013!


Anlässlich des Internationalen Museumstags am kommenden Sonntag, 12. Mai, legt der turmdersinne ein umfangreiches Programm auf:

Von 10 bis 12 Uhr gibt es für Kinder von 6 bis 10 Jahren einen Forscherrundgang, im Anschluss von 12 bis 14 Uhr eine Erlebnisführung für junge Leute ab 10 Jahren. Ab 14 Uhr laden wir zur Sonderführung durch die Jubiläumssonderausstellung „Science meets Art“ ein (ab 12 Jahren). Zum Abschluss gibt es von 16 bis 18 Uhr eine Gedächtnisführung für Menschen ab 12 Jahren.


Eine Besonderheit an diesem Tag ist die Eintrittsaktion "PWYW". PWYW stammt aus dem anglo-amerikanischen Raum, steht für „pay what you want" und kann sinngemäß mit "zahle, soviel es dir wert ist” übersetzt werden. Jeder bestimmt also nach seinem Besuch im Hands-on-Museum den gefühlten Eintrittspreis selbst.

Aufgrund der beschränkten Teilnehmerzahlen bitten wir um Voranmeldung für die Sonderführungen unter info@turmdersinne.de oder telefonisch unter 0911 / 9443281.

Dienstag, 7. Mai 2013

Von Sinnen: Mein motorischer Zombie



Wenn der Neurowissenschaftler Vilyanur Ramachandran Recht hat, dann hausen in jedem von uns Zombies. Zum Glück nicht blutrünstig, wie etwa in dem Horrorklassiker "Die Nacht der lebenden Toten". Aber, genau wie die Zombies im Film, ohne Bewusstsein.

Mein motorischer Zombie und ich“ ist auch der Titel des Vortrags von Prof. Volker Franz, der heute im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Von Sinnen" im Nürnberger Nicolaus-Copernicus-Planetarium stattfindet.  Darin nimmt der Psychologe die Besucher auf eine spannende Reise in die Welt der Wahrnehmung. Und zeigt, dass (Selbst-)Täuschung viele Gesichter hat.

Man nennt sie „Die blinde Frau, die sehen kann“: eine Patientin, die aufgrund ihres Hirnschadens die Fähigkeit verloren hat, die Größe von Objekten einzuschätzen. Lässt man sie jedoch nach einem Gegenstand greifen, waren ihre Bewegungen genau auf das Format des Gegenstands abgestimmt. Ihr motorisches System scheint also Informationen über die Welt zu besitzen die der bewussten Wahrnehmung verschlossen bleiben.

Wie kann das sein? Gibt es zwei getrennte neuronale Verarbeitungspfade im Gehirn – einen zur Aufarbeitung der visuellen Information der Augen für die bewusste Wahrnehmung, und einen anderen, der ohne Verknüpfung mit dem Bewusstsein die Motorik steuert – eben den „motorischen Zombie“? Genau dies haben die Neurowissenschaftler Milner und Goodale bereits 1992 vermutet.

Es gibt Studien, die dafür sprechen. Darin zeigte man gesunden Menschen einen dreidimensionalen Nachbau einer bekannten visuellen Illusion: der Ebbinghaus-Täuschung, bei der Betrachter die Größe eines Kreises je nach Umgebung falsch einschätzen. Und tatsächlich griffen die Probanden zielsicher nach dem Kreis in seiner wirklichen Größe. Der motorische Zombie ließ sich also nicht täuschen.

Der Beweis? Volker Franz ist skeptisch. Aus gutem Grund: in seinen eigenen Versuchen zeigte sich, dass das Ergebnis von vielen Faktoren abhängig ist. Je nach den Versuchsbedingungen trat der Effekt auf oder blieb aus. Aus Sicht von Franz ist die Theorie von den beiden getrennten Verarbeitungspfaden damit gehörig ins Wanken geraten.

Von einem Konsens ist die wissenschaftliche Gemeinschaft indes noch weit entfernt. Kein Wunder, sagt Volker Franz: „Vieles wissen wir eben noch nicht.“ Eins steht - nicht nur für ihn - außer Zweifel: „Wir können uns täuschen, auch in der Wissenschaft. Gerade Details, die unbedeutend scheinen, werden leicht übersehen.“

Dienstag, 7. Mai 2013
19.30 Uhr
Prof. Dr. Volker Franz: Mein motorischer Zombie und ich. 
Neuronale Pfade der Wahrnehmung.
Nicolaus-Copernicus-Planetarium, Am Plärrer 41, Nürnberg
Eintritt 7,- € (erm.: 5,- €)
 
Inge Hüsgen