News

Donnerstag, 26. April 2012

Fotografie - Ein Experiment


So kannten Sie den alten Dürer noch nicht! In der Interpretation der Künstlerin und Diplom-Designerin Margit Hüttner erinnert das Porträt des Renaissance-Meisters fast an die Arbeiten von Andy Warhol. Doch während Warhol bevorzugt mit Siebdruck arbeitete, nutzt Hüttner die Möglichkeiten der digitalen Bildbearbeitung. Auf diese Weise entstanden ihre Konzeptlinien Dürer Update (2008) und Städte/Cities – New Yorks Symbole (2001), aus denen der turmdersinne ab morgen ausgewählte Arbeiten in einer Sonderausstellung zeigt.

Titel der Schau: "Fotografie - ein Experiment. Meisterwerke vor der Linse". Margit Hüttner gehört zu den vier Nürnberger Künstlerinnen und Künstlern, die darin ihre Auseinandersetzung mit alten und neuen Techniken der Fotografie präsentieren.


Wie Hüttner hat sich auch Udo Beck der Erweiterung fotografischer Techniken verschrieben. Was geschieht, wenn man eine Lochkamera nicht mit einem, sondern mit 111 Löchern versieht? Auf dem Fotopapier entstehen unzählige, einander überblendende Abbilder, wie der Künstler in seiner Serie „111er“ dokumentiert.


Andere Arbeiten widmen sich der Erforschung des eingefangenen Motivs. Die Fotokünstlerin Annette Horn hält mit der Kamera Augenblicke fest, die der Wahrnehmung verborgen bleiben. Ihre Serien „Orchideen“ und „Walchensee“ strahlen Energie und Dynamik aus, wirken fast abstrakt und verfremden das Motiv bis zur Grenze der Erkennbarkeit.


Das psychologische Moment der Fotografie steht im Mittelpunkt von Michael Wanners Arbeiten. Mit atmosphärischer Bildwirkung setzt er sich ebenso auseinander wie mit unbewussten Wahrnehmungsprozessen. Auf diese Weise führt er unsere Seherwartungen gekonnt in die Irre.

Sonderausstellung
Fotografie - Ein Experiment. Meisterwerke vor der Linse

Hands-on-Museum turmdersinne am Westtor (Spittlertorgraben, Ecke Mohrengasse), Nürnberg
Vernissage: Freitag, 27. April, 18 Uhr
Die Ausstellung läuft bis 1. Juli 2012, der Eintritt ist im regulären Preis enthalten.

Konzept und Organisation: Jana Marks

Zum Vormerken: An jedem ersten Freitag im Monat bietet der turmdersinne von 18 bis 19 Uhr einen geführten Rundgang durch die Ausstellung an.
Anmeldung Tel. 0911 / 9443281
E-Mail: info@turmdersinne.de

Inge Hüsgen


Dienstag, 24. April 2012

Vortrag mit Prof. Angela Friederici



Wie mühelos Kinder eine Fremdsprache lernen, bringt nicht nur Eltern immer wieder zum Staunen. Sogar die ganz Kleinen sind schon wahre Sprachgenies, wie man heute weiß. Bereits mit vier Monaten können Babys einfache Regeln einer fremden Sprache erlernen, wie die Sprach- und Kognitionsforscherin Angela Friederici gezeigt hat.


Im Versuch spielte ihr Team Säuglingen mit deutscher Muttersprache zunächst einfache italienische Sätze vor. Anschließend mischten sie zwischen diese korrekten Sätze auch solche mit Grammatikfehlern. EEG-Messungen zeigten, dass die Babys die falschen Sätze schon nach einer Viertelstunde Lernzeit erkannten.

Zuvor war man davon ausgegangen, dass sich diese Fähigkeit erst mit etwa anderthalb Jahren entwickelt. „Das erschien mir immer reichlich spät“, sagt Angela Friederici, die sich als (Gründungs-)Direktorin am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig mit all dem beschäftigt, was beim Sprachenlernen im Gehirn geschieht. Am kommenden Dienstag berichtet sie im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Von Sinnen“ über ihre Forschungen.

Heute weiß man, dass das Sprachenlernen sehr früh beginnt. Bereits im Alter von zwei Monaten können Kleinkinder bestimmte Laute auseinanderhalten, mit fünf Monaten beginnen sie die typischen Betonungsmuster ihrer Muttersprache zu lernen. Einfache Wörter und ihre Bedeutungen kommen im Laufe des ersten Lebensjahres hinzu. Die ersten Satzbau-Regeln werden mit zwei bis drei Jahren beherrscht, kompliziertere Sätze können die Kinder erst vom sechsten bis siebten Lebensjahr an bilden.

Alles, was wir lernen, schlägt sich in Veränderungen des Denkorgans nieder. Nervenzellen bilden neue Verbindungen, schließen sich zu komplexen Netzwerken zusammen, Fachleute sprechen auch vom „plastischen“, also wandlungsfähigen Gehirn.

Bis zu einem gewissen Grad behält das Gehirn seine Plastizität bis ins hohe Alter. Die Grundlagen werden jedoch in der Kindheit gelegt. Aus diesem Grund plädiert Angela Friederici für eine frühe, spielerische Förderung. Ohne Drill und Lehrplan, versteht sich. Viel wichtiger ist es nach ihrer Ansicht, sich mit dem Kind zu beschäftigen und beispielsweise gemeinsam Kinderlieder zu singen. Denn zum Sprechenlernen brauchen Kinder ein Gegenüber. Und weil beim Singen und Musizieren teilweise dieselben Hirnareale aktiv werden wie beim Sprechen, trainiert Musik das Gehirn gleich doppelt.

Heute, am 24. April 2012, gastiert Angela Friederici mit dem Vortrag „Sprachentwicklung und Gehirn“ im Nürnberger Nicolaus-Copernicus-Planetarium. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr. Vorher, ab 17 Uhr, können die Besucher an einer kostenlosen Sonderführung im Museum für Kommunikation teilnehmen.

Buchung über BZ Nürnberg oder vor Ort an der Abendkasse.

Inge Hüsgen

Mittwoch, 18. April 2012

TV-Tipp: turmdersinne bei "X:enius"

Jeannie Michaelsen und Adrian Pflug kamen aus dem Staunen nicht mehr raus: Beim Dreh im Hands-on Museum turmdersinne erlebten die beiden TV-Moderatoren am eigenen Leib, wie unser Wahrnehmungssystem das Bild von der Welt konstruiert.

Zu sehen ist ihr Beitrag morgen, Donnerstag, 19. April 2012, um 8.25 Uhr im Wissensmagazin "X:enius" auf arte, der Titel „Tarnung – können wir unseren Augen trauen?“

Aus der Ankündigung:

In einer Sendung – in der nicht alles ist, wie es scheint – machen sich die “X:enius”-Moderatoren Jeannine Michaelsen und Adrian Pflug auf die Suche nach der perfekten Tarnung. Was macht eine perfekte Tarnung aus? Können wir unseren Augen immer trauen? Und wird dank physikalischer Forschung und der Entwicklung von sogenanntem Metamaterial die fabelhafte Tarnkappe doch irgendwann Realität?

Die Sendung wird am Freitag, 20.04.2012, ab 13 Uhr wiederholt. Danach dann 7 Tage lang online bei Arte +7.

Freitag, 13. April 2012

brainWEEK 2012 in Nürnberg

Die Veranstaltungen zur diesjährigen internationalen Woche des Gehirns in Nürnberg waren zum wiederholten Mal außerordentlich gut besucht.


Der turmdersinne koordiniert seit vielen Jahren im März Lesungen, Vorträge, Filmabende und Diskussionen in Kooperation mit lokalen Einrichtungen wie dem Klinikum Nürnberg, dem Programmkino Casablanca und dem Nicolaus-Copernicus Planetarium.
Dieses Jahr waren verschiedenste Themen aus den Kognitionswissenschaften vertreten: Eine Matinée eröffnete die brainWEEK mit Vorträgen von Medizinern des Klinikum Nürnberg, die aktuelle Forschungsergebnisse und Einsichten in das Thema „Gehirn und Gedächtnis“ gewährten. Rund 250 Besucher verfolgten Vorträge über die Funktionsweise des Gedächtnisses, den Informationsgehalt bildgebender Verfahren, „Mind-reading“, Gedächtnisstörungen und die Rolle des Unbewussten für das Gedächtnis.
Im turmdersinne konnten sie dieses neu gewonnene Wissen durch Erfahrung ergänzen. Eine spezielle Tour führte Besucher mit Augenmerk auf gedächtnisrelevante Phänomene durch das Hands-on-Museum (buchbar auch außerhalb der brainWEEK unter info@turmdersinne.de).

Auch der Nobelpreisträger Eric Kandel ist "Auf der Suche nach dem Gedächtnis”, wie der Titel der gleichnamigen Dokumentation über den charismatischen Wissenschaftler verrät. Der Film wurde im Rahmen der brainWEEK neben “Shutter island”, “Forgetting Dad” und “Goodnight Nobody” im Programmkino Casablanca gezeigt. Mediziner des Klinikums kommentierten anschließend die thematisierten Phänomene. So erfuhren die Besucher unter anderem, wie wichtig soziale Kontakte sowie Sport und Ernährung für ein gutes Gedächtnis im Alter sind; auch wenn Alzheimer noch nicht geheilt werden kann.

Die Lesung „Mann, Frau, Gehirn“ mit dem Geschäftsführer Rainer Rosenzweig, seiner Frau Barbara und dem Physiker Helmut Fink fasste aktuelle interdisziplinäre Erkenntnisse zu einem populären und viel diskutierten Thema zusammen.

Zum Abschluss der brainWEEK 2012 vereinte ein Highlight zwei scheinbar unvereinbare Disziplinen im Rahmen einer ausverkauften Veranstaltung im Nicolaus-Copernicus Planetarium: “Science meets comedy” beschreibt die Kombination aus dem englischsprachigen wissenschaftlichen Vortrag der Journalistin Rita Carter mit der unterhaltsamen „Übersetzung“ des Zauberkünstlers Thomas Fraps sowie seinen verblüffenden Tricks. Das Thema „Spuk im Hirn“ wurde so sowohl informativ als auch unterhaltsam präsentiert. Während Berichte über Entführungen durch Außerirdische mithilfe von luzidem Träumen und Schlaflähmung entzaubert werden konnten, verzauberte Thomas Fraps die faszinierten Besucher mit Tricks, die sie fragen ließen „Wie macht er das bloß?“.

Über 900 Besucher lockte das vielseitige Programm der brainWEEK 2012 allein in Nürnberg. Die nächste internationale Woche des Gehirns wird zu einem Termin stattfinden, der für den turmdersinne ein ganz besonderer ist: Das kleine Science Center am Westtor der Nürnberger Stadtmauer feiert im März 2013 Jubiläum! Seit 10 Jahren lädt der Stadtmauerturm mit interaktiven Exponaten dazu ein, die eigene Wahrnehmung zu hinterfragen. Möge uns das nächste Jahrzehnt noch mehr erstaunliche Phänomene, Wissenschaft zum Anfassen und Freude am Experimentieren bereiten!

Claudia Muth
Museumsleiterin des turmdersinne

Mittwoch, 11. April 2012

Training für Schnelldenker

Um Erfolg, Lebensqualität und ein längeres Leben in der Wissensgesellschaft ging es am Dienstag, 10. April 2012, im zweiten Vortrag der Reihe Von Sinnen. Den über hundert gespannten Besuchern erklärte Dr. Siegfried Lehrl, Psychologe und Präsident der Gesellschaft für Gehirntraining, was rasche Informationsverarbeitung mit Intelligenz zu tun hat und wie man das Hirn trainieren kann.

Heute morgen gut gefrühstückt? Dann stehen die Chancen gut, dass Ihr Hirn in Topform ist. Ein gesundes Frühstück ist einer von mehreren Tricks, um das Denkorgan in Schwung zu bringen. Noch einer, vor allem für Schüler und Studenten: im Unterricht und bei der Vorlesung mitschreiben, auch wenn der Skript zum Download bereitsteht. Wenn es nichts zum Mitschreiben gibt, hilft auch Kaugummikauen. Bewegung bringt das Hirn auf Trab – schon minimale regelmäßige Hand- und Kieferbewegungen genügen. Wer dagegen bewegungslos zuhört, dessen Gehirn schaltet schon nach ein, zwei Minuten einige Gänge runter.

Soll es aber nicht, denn die Geschwindigkeit beim Verarbeiten von Informationen ist ein wichtiger Faktor für die Intelligenz. Dies gilt nicht nur für die Tagesform, sondern auch darüber hinaus, weiß Siegfried Lehrl von der Universität Erlangen-Nürnberg aus einer Reihe von Forschungen. Wie rasch ein Mensch Informationen verarbeiten kann, ist individuell verschieden und ändert sich im Laufe des Lebens, beispielsweise sind 15-Jährige sind mehr als doppelt so schnell wie Achtjährige. Doch bereits ab dem 25. Lebensjahr arbeitet bei den meisten von uns das Denkorgan immer langsamer – auch wenn wir es nicht bemerken.
Allerdings gibt es schon unter Gleichaltrigen flotte und gemächliche Denker, weiß Lehrl aus zahlreichen Forschungen: „Schon in der Schule sitzen Riesen und Zwerge zusammen.“

Ist ein langsames Gehirn Schicksal? Müssen wir dem Abbau von Geist und Gedächtnis im Laufe der Lebensjahre tatenlos zusehen? Lehrl, der auch Präsident der Gesellschaft für Gehirntraining ist, sieht keinerlei Anlass zur Resignation.

Das Gehirn lässt sich in jedem Lebensalter trainieren, und immerhin einem Viertel der Bevölkerung gelingt es bereits, die Verlangsamung im Alter aufzuhalten. Siegfried Lehr verrät das Erfolgsrezept: eine geistig anregende Umgebung, gesunde Ernährung, genügen Schlaf und ein wenig Sport.

Es war übrigens ein Nürnberger Wissenschaftler, Erwin Roth, der den Zusammenhang zwischen schneller Informationsverarbeitung und Intelligenz entdeckt hat. Die Gesellschaft für Gehirntraining machte Roths Erkenntnisse zur Grundlage eines Fitness-Programms fürs Denkorgan.

Der nächste Vortrag der Reihe "Von Sinnen" steht am 24. April, 19 Uhr, auf dem Programm. Unter dem Titel "Sprachentwicklung und Gehirn" berichtet Prof. Angela Friederici vom MPI für Kognitions- und Neurowissenschaften dann über neuronale Grundlagen frühkindlicher Sprache.

Ort: Nicolaus-Copernicus-Planetarium, Nürnberg

Eintritt:  7,-Euro/ erm. 5,- Euro
Anmeldung

Inge Hüsgen