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Montag, 27. Juni 2011

Neu im Angebot: Gedächtnis-Führung

Für eine Studentin wird am 30. Juli 1977 unversehens ein Alptraum zur Wirklichkeit. Als bei einem Entführungsversuch ein Bankier erschossen wird, glaubt seine Witwe, in der jungen Frau die Täterin zu erkennen. Die Unschuldige wird festgenommen und verhaftet. Doch zum Glück haben mehrere andere Zeugen sie zur Tatzeit an einem ganz anderen Ort gesehen.

Die Witwe war ihrer Sache ganz sicher. Trotzdem lag sie falsch. Wie kann das sein?

Nicht nur unsere Wahrnehmung, auch das Gedächtnis ist anfällig für Irrtümer. Eindrücklich demonstriert dies ein neues Rundgang-Format, das ab sofort im Erlebnis-Museum turmdersinne angeboten wird. Darin gibt es zu ausgewählten Exponaten Zusatzinfos über Gedächtnistäuschungen und die Mechanismen unseres Gedächtnisses, außerdem können die Besucher in kleinen Experimenten das eigene Erinnerungsvermögen testen.

Die Führung zum Thema Gedächtnis zeigt unter anderem, warum es notwendig ist, zu vergessen und weshalb Menschen sich andererseits an Ereignisse erinnern können, die nie passiert sind.

Museumsleiterin Claudia Muth fasst das Wichtigste wie folgt zusammen:

"Erfahrungen verändern uns (auch körperlich!). Wir häufen nicht einfach Wissen an, sondern 'verkörpern' es über Veränderungen der Gehirnstruktur.
Dabei wird Wissen nicht lokal, sondern verteilt 'gespeichert'. So kann das Gehirn später Muster erkennen bzw. vervollständigen.
Für erfolgreiches Lernen ist ebenfalls nicht das bloße Anhäufen von Wissen, sondern dessen Organisation entscheidend.
Wenn etwas für unser Leben sehr wichtig ist, uns also emotional (be-)trifft, werden wir es uns besser merken."
Diese Gedächtnistäuschungen können wir ebenso wenig ausschalten wie andere Wahrnehmungstäuschungen. Trozdem sind wir ihnen nicht wehrlos ausgeliefert – auch dies zeigt der Rundgang. Wir können Methoden der kritischen Prüfung zulassen und einfordern, Alternativen zu eingefahrenen Denkmustern suchen und - last, not least, unsere eigenen Überzeugungen selbstkritisch reflektieren.

Es macht bereits viel aus, die Schwachpunkte des Gedächtnisses zu kennen und zu berücksichtigen. Beispielsweise, dass sich Erinnerungen auch rückwirkend noch verändern können.
So war es wohl auch im Fall der unschuldig verhafteten Studentin. Schon vor der Gegenüberstellung hatte die Polizei der Bankierswitwe ein Foto der jungen Frau vorgelegt. Es ist anzunehmen, dass sie das Gesicht tatsächlich wiedererkannte - aber es war nicht die Erinnerung an die Täterin, sondern an das Foto.

Die Führung zum Thema "Gedächtnis" kann ab sofort gebucht werden.
Kosten: Eintritt (4/6 Euro) zzgl. Führungspauschale
Führungspauschalen:
1 Betreuer, bis ca. 15 Personen: 23 Euro pro Gruppe
2 Betreuer, ca. 15 bis max. 30 Personen: 46 Euro pro Gruppe
Bei Schülergruppen (unter 18 Jahren) entfällt die Führungspauschale.

Download Anmeldeformular für Gruppen
Kontakt: info@turmdersinne
Tel: (0911) 9 44 32 81

Fax: (0911) 9 44 32 69

Inge Hüsgen

Mittwoch, 15. Juni 2011

Zwischen Wunder und Wissenschaft

Aus der ganzen Welt kamen die Besucher nach Turin. Mehr als zwei Millionen sollen es gewesen sein, die im Frühling letzten Jahres in die norditalienische Industriestadt strömten und auch schon mal drei Stunden Schlange standen. All das, um ein paar Blicke auf ein altes Leinentuch zu werfen, auf dem sich die unscharfe Silhouette eines männlichen Körpers abzeichnet.



Quelle: Wikimedia Commons

Nicht irgend eines Körpers, sind manche überzeugt. Denn die Rede ist vom „Turiner Grabtuch“, das der Legende nach den Leichnam Jesu Christi umhüllte und heute im Dom von Turin aufbewahrt wird. In Abständen von mehreren Jahren wird es öffentlich ausgestellt, so zuletzt im Frühling vergangenen Jahres.

Das echte Leichentuch Christi? Richtig ist, dass es schon bei seinem Auftauchen im Mittelalter Zweifel weckte und seither im Zentrum von frommer Religiosität und wissenschaftlicher Untersuchung, aber auch abenteuerliche Spekulationen steht. Die katholische Kirche hält sich da bedeckt. Offiziell betrachtet sie das Leinen  lediglich als „Ikone“. Eine Ikone soll bei Gläubigen die Beziehung zu Gott stärken. Im Gegensatz zur Reliquie, die den Katholiken als authentisches Überbleibsel einer heiligen Person oder ihres Besitzes gilt.
Tatsächlich zeigen seriöse Untersuchungen mit überwältigender Klarheit, dass es sich beim Turiner Grabtuch um eine künstlerische Arbeit aus späterer Zeit handelt. Einer C14-Datierung zufolge stammt das Gewebe aus dem Mittelalter, es trägt Spuren von Farbstoffen, wie sie in dieser Zeit von Malern benutzt wurden. Dennoch will eine Forschergruppe die Echtheit des Tuches nachgewiesen haben.

Hat sie aber nicht, sagt Amardeo Sarma, der sich seit Jahrzehnten mit dem Streit um das geheimnisvolle Leinen beschäftigt. „Da werden dubiose Pollenproben vom Tuch bemüht, bewährte Datierungsmethoden angezweifelt und wildeste Speklationen aufgestellt."

Am Mittwoch, 22. Juni 2011, führt Amardeo Sarma ein in die hitzigen Diskussionen über das Turiner Grabtuch. Der Vortrag ist Teil der Veranstaltungsreihe „Außer Sinnen“, die der turmdersinne gemeinsam mit dem Nicolaus-Copernicus-Planetarium organisiert hat.

Amardeo Sarma kennt sich übrigens bestens aus mit paranormalen Behauptungen. Er ist Gründungsmitglied und Vorsitzender der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften GWUP, Mitinitiator und Vorsitzender der europäischen Skeptikerorganisation ECSO und Fellow der US-amerikanischen Skeptiker-Dachvereinigung Committee for Skeptical Inquiry CSI.

22.06.2011, 19.00 Uhr

Amardeo Sarma: Das Turiner Grabtuch
Die Geschichte eines Klärungsprozesses im 20. Jahrhundert zwischen Wunder und Wissenschaft


Nicolaus-Copernicus-Planetarium, Am Plärrer 41, 90429 Nürnberg
Eintritt: 7 Euro (erm. 5 Euro), Gesamtreihe „Außer Sinnen“ 28 Euro (keine Erm.)

Das komplette Programm finden Sie hier.
Online-Anmeldung beim BZ Nürnberg, Kurs-Nr. 00877

Inge Hüsgen

Mittwoch, 1. Juni 2011

"Einsichten": Sonderausstellung im Museum

It’s an involuntary part of what it is to be alive (…) that as things appear, there’s a need to push them into sense, to get them to cohere.“

So beschreibt der südafrikanische Künstler William Kentridge in der Doku „Return” seine Arbeit. Zu sehen ist der Film in der aktuellen Sonderausstellung im Museum turmdersinne. Unter dem Titel "Einsichten" versammelt die gestern eröffnete Schau ganz unterschiedliche Kunstrichtungen, Techniken und Motive.  Malerei, Medienkunst, Fotografie und Lichtkunst stehen auf den fünf Stockwerken des Turms im Dialog. Bilder von Julia Brielmann und Ölgemälde von Akbar Akbarpour treffen auf ein Licht-Objekt von Anja Kurz, auf Fotografien von Lisa Lütjens, Marc Böttlers Animation und einen Film des renommierten Professors der Filmakademie Ludwigsburg, Jochen Kuhn.

Bei aller Verschiedenheit ist den Arbeiten dennoch eines gemein: Sie spielen mit unserer Wahrnehmung, stellen ihre eigene Erkennbarkeit in Frage. Mittels Dekonstruktion, Perspektive, Bewegung, Licht und Abstraktion fühen die Künstler die menschliche Wahrnehmung an ihre Grenzen. Wer sich der Herausforderung stellt und sich auf das Spiel mit der Mehrdeutigkeit einlässt, wird mit einer Einsicht belohnt – sei es in Form eines Erkennens auf der Wahrnehmungsebene oder einer reflexiven Erkenntnis über eigene Wahrnehmungsmechanismen.

Weitere Informationen finden Sie hier.
Einsichten
Künstlerische Perspektiven auf Wahrnehmungmechanismen
31.05.2011-09.01.2012

Sonderführung am kommenden Freitag, 03.06.2011 ab 18 Uhr, Anmeldung unter info@turmdersinne.de
Weitere Sonderführungen an jedem ersten Freitag des Monats:

Freitag, 03.06.2011,
Freitag, 01.07.2011,
Freitag, 05.08.2011,
Freitag, 02.09.2011,
Freitag, 07.10.2011, 
Freitag, 04.11.2011, 
Freitag, 02.12.2011, jeweils um 18 Uhr.
Um Anmeldung wird gebeten.

Kontakt:
Tel. 0911 94432-81 • Fax: -69, info@turmdersinne.de
turmdersinne am Westtor, Spittlertorgraben/Ecke Mohrengasse, 90429 Nürnberg.
Sie erreichen den turmdersinne mit der U1/U11, Haltestelle „Weißer Turm“.


Öffnungszeiten:
Di.–Fr. 13-17 Uhr, Sa, So, Feiertage 11-17 Uhr.
In den Schulferien täglich, auch montags, geöffnet von 11-17 Uhr.

Eintritt: 6,- €, ermäßigt 4,- €, Familienkarte: 16,-€. Der Besuch der Sonderausstellung ist im Eintritt inbegriffen.