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Montag, 30. Mai 2011

Die Tricks der Wahrsager

Seine Fans nennen Wolfgang Hund liebevoll „Hundini“ – ein Anklang an den Zauberkünstler Harry Houdini, der Anfang des 20. Jahrhunderts die Tricks von „Spiritisten“ und „Medien“ entlarvte.

Auch heute gibt es auf diesem Gebiet noch eine Menge zu tun, wie der Okkultismus-Kenner, Bühnenzauberer und Lehrerausbilder Wolfgang Hund aus jahrzehntelanger Erfahrung weiß. Am Mittwoch, 8. Juni 2011, gastiert er mit einem Experimentalvortrag im Nürnberger Planetarium.

Dieser zweiten Veranstaltung der Reihe „Außer Sinnen“ hat er einen bezeichnenden Titel gegeben: „Sage mir Deinen Namen und ich sage Dir, wie Du heißt!“ Genau so funktioniert nämlich ein beliebter Trick von „Wahrsagern“ und „Hellsehern“: Sie scheinen Dinge über ihre Kunden zu wissen, die sie nur auf übernatürlichem Wege erfahren haben können. Da zahlt man doch gern dreistellige Summen und richtet sein Leben nach den Ratschlägen des Meisters aus!

Oder?!

Keine Spur! Statt Psi-Kräften stecken allerlei psychologische Kniffe und ausgefeilte Täuschungsmanöver dahinter. Wie die funktionieren, demonstriert Wolfgang Hund anhand von historischen und aktuellen Beispielen und mit vielen praktischen Einlagen und einer Prise Humor.

Wolfgang Hund ist Lehrerausbilder und seit 1991 Beauftragter des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV) für den Bereich „Sekten, Psychokulte und Okkultismus“ seit 1991. Er engagiert sich im Wissenschaftsrat der GWUP, die kritisch und auf wissenschaftlicher Basis über Parawissenschaften und angeblich übernatürliche Phänomene informiert.

08.06.2011, 19.00 Uhr

Wolfgang Hund: Sagen "Wahrsager" die Wahrheit?
"Sage mir Deinen Namen und ich sage Dir, wie Du heißt!"

Nicolaus-Copernicus-Planetarium, Am Plärrer 41, 90429 Nürnberg
Eintritt: 7 Euro (erm. 5 Euro), Gesamtreihe „Außer Sinnen“ 28 Euro (keine Erm.)

Das komplette Programm finden Sie hier
Online-Anmeldung beim BZ Nürnberg, Kurs-Nr. 00875

Zum Weiterlesen:
Inge Hüsgen

Sonntag, 29. Mai 2011

Eine Nacht zum Staunen

Gestern, am 28. Mai 2011, war es wieder so weit: Die Blaue Nacht ließ Nürnberg zum Kultur-Biotop werden. Überall in der Stadt warteten Museen und andere Kultureinrichtungen mit Aktionen auf - klar, dass der turmdersinne da nicht fehlen durfte. Den ganzen Abend hindurch strömten die Gäste zum Erlebnismuseum. Drinnen warteten schließlich neue Exopnate mit unglaublichen Effekten - da nimmt man ein bisschen Schlangestehen gern in Kauf.

Foto: Jana Marks
Text: Inge Hüsgen

Freitag, 27. Mai 2011

Der turmdersinne bei der Blauen Nacht

Morgen Abend schon was vor in Nürnberg und Umgebung?
Wie wär`s mit einem Besuch im Erlebnismuseum turmdersinne?

In "fremde Welten" - so das diesjährige Motto der Blauen Nacht, entführt das Museum seine Besucher am Samstag, 28. Mai 2011, von 19 bis 24 Uhr.
Nicht von dieser Welt scheinen die Phänomene zu sein, die uns Fallstricke unserer Wahrnehmung buchstäblich vor Augen führen: Wir verwechseln unsere eigene Hand mit einer Attrappe, bekommen den eigenen Kopf auf dem Tablett serviert und vieles mehr.
Übrigens: Die Wanderausstellung tourdersinne, normalerweise im ganzen Bundesgebiet unterwegs, kehrt für die Blaue Nacht zu ihrem "Mutterschiff" zurück, um die neuesten Illusionen vorzustellen. Auf zu unendlichen Weiten irdischer Täuschbarkeit!

Die Nürnberger Blaue Nacht, die in diesem Jahr zum zwölften Mal stattfindet, ist einzigartig in Deutschland. Heuer präsentieren sich insgesamt 66 Kunst- und Kulturorte überall in der Stadt mit Aktionen, Ausstellungen und Performances.

Bitte beachten: Aufgrund beschränkter Platzkapazitäten kann es zu Wartezeiten kommen.

Montag, 16. Mai 2011

Peter Brugger: Das Paranormale in der Hirnforschung

Funktioniert Hellsehen? Gibt es außersinnliche Wahrnehmung? Können wir unseren Körper verlassen? Wissenschaftlern fällt die Antwort leicht: Objektiv betrachtet, ist nichts dran an Psi & Co. Je sauberer die Studien, desto klarer dieses Bild.

Zu einer völlig anderen Einschätzung kommen freilich die Parawissenschaftler. Nur zu gerne deklarieren sie ihre gewagten Spekulationen als "Grenzwissenschaften" - und übersehen, dass Erkenntnisgewinn immer an den Grenzen einer Wissenschaft stattfindet.

Sollten sich seriöse Forscher also von der Erforschung außergewöhnlicher Phänomene fernhalten? Keineswegs, ist Dr. Peter Brugger überzeugt. Der Leiter der Abteilung Neuropsychologie an der Neurologischen Klinik der Uni Zürich hat eine ganze Reihe von Studien mit Psi-Gläubige und -Ungläubigen durchgeführt. Am Mittwoch, 25. Mai 2011, berichtet er im Nürnberger Planetarium, welche Erkenntnisse die Neurowissenschaften über Außersinnliches, Außerkörperliches und andere außergewöhnliche Erfahrungen gewonnen haben.

Bruggers Vortrag ergänzt die Veranstaltungsreihe „Von Sinnen“, die sich im Frühjahr an fünf Abenden unterschiedlichhen Fragen der Wahrnehmung und Wahrnehmungsforschung widmete, siehe dazu auch hier.
Gleichzeitig eröffnet er die Veranstaltungsreihe „Außer Sinnen“, in der sich renommierte Fachleute kritisch mit Themen wie Astrologie, Hellsehen, "Turiner Grabtuch" und Weltuntergangsprophezeiungen auseinandersetzen.

25.05.2011, 19.00 Uhr
Peter Brugger: Das Paranormale in der Hirnforschung.
Außersinnliches, Außerkörperliches, Außergewöhnliches.

Nicolaus-Copernicus-Planetarium, Am Plärrer 41, 90429 Nürnberg
Eintritt: 7 Euro (erm. 5 Euro), Gesamtreihe „Außer Sinnen“ 28 Euro (keine Erm.)

Das komplette Programm finden Sie hier
Online-Anmeldung beim BZ Nürnberg, Kurs-Nr. 00873

Inge Hüsgen

Montag, 9. Mai 2011

Unser Gehirn erfindet die Wirklichkeit

Sehforscher Michael Bach am 17. Mai in Nürnberg

Einer der aktivsten und umtriebigsten visuellen Wahrnehmungsforscher aus dem deutschsprachigen Raum ist am 17. Mai in Nürnberg zu Gast: Professor Michael Bach, Leiter der Sektion Funktionelle Sehforschung/Elektrophysiologie an der Augenklinik im Universitätsklinikum Freiburg, stellt im Nürnberger Planetarium u.a. neue Wahrnehmungsphänomene vor, die eine Woche vorher beim internationalen „Best visual illusion contest“ in Naples, Florida, prämiert wurden.

Der turmdersinne sprach im Vorfeld mit Michael Bach.

turmdersinne: Herr Professor Bach, Sie vertreten die Ansicht, Wahrnehmungstäuschungen seien nicht als Fehlleistungen, sondern als seltene Ausnahmen in atypischen Situationen zu betrachten. Können wir uns also normalerweise auf unsere Sinne verlassen?

Michael Bach: Genau, wir können uns „normalerweise“ auf unsere Sinne sehr gut verlassen, vor allem wenn man sich klar macht, dass aus unvollständigen Informationen eine „innere Welt“ aufgebaut wird. Diese innere Repräsentation ist so brauchbar, dass wir damit zum Beispiel einen mit Möbeln vollgestellten Raum erfolgreich durchqueren können, auch wenn man den Weg im Detail vorher nur teilweise einsehen kann. Nur bei atypischen Situationen kann das schiefgehen.

Wie sind diese atypischen Situationen gekennzeichnet?

Es sind Umgebungen, für die die Evolution unsere Sinnessysteme nicht entwickelt hat. Ein Beispiel: Ohne künstlichen Horizont kann ein Flugkapitän die Lage des Flugzeugs bei ungünstigen Sichtbedingungen nicht beurteilen.

Wie kommt es zu diesen Ausnahmeerscheinungen, den „Täuschungen“?

Ich glaube nicht, dass man eine pauschale Erklärung geben kann, die für alle Täuschungen gilt. Aber für viele gilt: Sie treten dann auf, wenn die „wahre“ Konfiguration sehr unwahrscheinlich ist. Ein Beispiel sind Hohlmasken, bei denen es nicht gelingt, ihre konkave Form zu erkennen: Im Leben trifft man eben selten auf (sichtbar) hohle Köpfe...

Am 9. Mai wurde im „Philharmonic Centre for the Arts“ in Naples, Florida der diesjährige "Best visual illusion"-Preis prämiert. In Ihrem Vortrag werden Sie ja einige neue Beiträge vorstellen und diskutieren. Können Sie – auch im Vergleich zu den Vorjahren – einen Forschungstrend erkennen? In welche Richtung verläuft dieser?

Ein Punkt fällt mir immer wieder auf: Wirklich Neues gibt es nur alle paar Jahre. Vieles ist Variation von Bekanntem, was aber trotzdem sehr gut sein kann, wenn es das Phänomen besonders deutlich herausarbeitet. Zum Beispiel war der sehr schöne 1. Platz vom letzten Jahr im Grunde eine Variation der „Pausenberger-Rinne“. (Anm. d. Red.: Exponat in der Wanderausstellung tourdersinne, erstmals ausführlich beschrieben durch turmdersinne-Mitarbeiter Rudolf Pausenberger 2004. Modell hier).
Derzeit laufen viele sehr verschiedene Projekte, von klinischen Fragestellungen über Methodikentwicklung bis zur Grundlagen-Sehforschung. Zur Wahrnehmung, die hier ja interessiert, stehen derzeit „Kipp-Vorgänge“ bei mehrdeutigen Reizvorlagen im Vordergrund: Einerseits verweise ich auf Arbeiten meines früheren Mitarbeiters Dr. Jürgen Kornmeier: Er hat spannende Experimente entwickelt und durchgeführt, die Abläufe im Gehirn aufzeigen, wie sie bei spontanen und induzierten Kipp-Vorgängen beim Necker-Würfel (hier ein Beispiel) auftreten, und diese dann mit dem EEG verfolgt. Zum anderen fiel mir auf, dass menschliche Silhouetten sehr viel seltener in der Wahrnehmung kippen als z.B. der Neckerwürfel (hier ein Beispiel).

Um dies zu untersuchen, habe ich gerade eine Programmumgebung für die Silhouetten-Präsentation von 3D-Modellen geschrieben. Eine Doktorandin wird nun beginnen, die Kipprate bei verschiedenen Silhouetten zu vergleichen. Zunächst wollen wir prüfen, ob das ein konsistenter Befund ist. Wenn ja, wollen wir ermitteln, woran genau das liegt.

Auf Ihrer Internetseite stellen Sie eine der umfangreichsten Sammlungen visueller Illusionen zur Verfügung. Verfolgen Sie mit dieser Webseite ein eher wissenschaftliches Ziel oder geht es Ihnen mehr um Popularisierung?

Eine Mischung, oder besser: einen Brückenschlag zwischen beidem. Ein richtiges wissenschaftliches Experiment ist viel langweiliger und braucht viel Durchhaltevermögen. Einige Phänomene habe ich so gebaut, dass man damit schöne Schülerexperimente durchführen kann. Das ist auch schon gemacht worden. Oft werden meine Demonstrationen als Anschauungsmaterial im Biologieunterricht oder in Vorlesungen eingesetzt. Mein Anliegen ist vor allem, vom naiven Staunen zu einem wenigstens etwas vertieften Verständnis zu kommen. Es ist doch toll, wenn man wirklich versteht warum sich Wagenräder im Kino rückwärts drehen können, warum auf Zielphotos von Radrennen die Speichen manchmal ganz verbogen aussehen (Rogets Palisaden-Täuschung)oder warum man nach längerer Autobahnfahrt (nicht dass ich für Autofahren wäre…) auf der Abbiegeschleife viel zu schnell fährt (Bewegungsadaptation).

Wenn man solche Prinzipien erkennt, dann entzaubert das nicht etwa die Welt, vielmehr nimmt die Freude über die Schönheit der Natur nur zu.

Fragen: Dr. Rainer Rosenzweig


Im Überblick:
Dienstag, 17. Mai 2011, 19 Uhr, Planetarium Nürnberg:
Prof. Dr. Michael Bach
Unser Gehirn erfindet die Wirklichkeit – meist sehr treffend
Beispiele vom internationalen „Best visual illusion contest“
Online-Anmeldung über das Bildungszentrum Nürnberg, Kurs-Nr.: 00861.
Kartenverkauf an der Abendkasse, solange der Vorrat reicht.



Sonntag, 1. Mai 2011

Sehtraining für Blinde

Zum Glück war der Tumor gutartig, den die Ärzte aus dem Gehirn des Patienten D. B. entfernten. Dabei schnitten sie auch etwas Hirngewebe der Sehrinde weg, sodass D.B. danach für einen Teil des Gesichtsfeldes vollkommen blind war. Als sich herausstellte, dass er trotzdem noch zielsicher auf Gegenstände im blinden Bereich zeigen konnte, waren nicht nur die Mediziner überrascht. D.B. versicherte nämlich glaubhaft, dass er immer nur nur geraten hatte.

Blindsehen, wie Wissenschaftler diese erstaunliche Fähigkeit nennen, tritt auf, wenn Augen und Sehnerv gesund, Teile der Sehrinde im Gehirn jedoch geschädigt sind, etwa nach einer Verletzung oder einer Operation, wie bei D. B. Es kommt es zu Ausfällen im Gesichtsfeld, der Patient sieht nur noch einen "Teil der Welt" bewusst.

Bittet man ihn, auf einen Gegenstand im blinden Teil des Gesichtsfelds zu zeigen, muss er raten. Dass die Betroffenen dabei dennoch erstaunlich oft richtig liegen, zeigt, dass der Sehreiz irgendwo im Gehirn verarbeitet wird – auch wenn nichts davon ins Bewusstsein vordringt.

Blindsehen lässt sich trainieren. Prof. Petra Stoerig, Inhaberin des Lehrstuhls für Experimentelle Biologische Psychologie an der Düsseldorfer Uni, hat ein Gerät entwickelt, mit dem Betroffene diese Fertigkeit einüben können. Auch wenn das Blindsehen die bewusste Sehfähigkeit nie vollständig ersetzen wird, ermöglicht es den Patienten immerhin, sich selbständig auf unbekanntem Gelände zu bewegen und damit ein Stück Selbständigkeit zurückerlangen.

Am kommenden Dienstag, 3. Mai 2011, 19 Uhr, berichtet Petra Stoerig im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Von Sinnen“ in Nürnberg über ihre Forschungen. "Von Sinnen" wurde vom turmdersinne in Kooperation mit dem Nicolaus-Copernicus-Planetarium organisiert.

Neben dem Blindsehen wird Stoerig auch auf andere erstaunliche Phänomene zu sprechen kommen. Beispielsweise auf Sehen ohne Sinnesreiz. Dies kann bei Gesichtsfelderscheinungen vorkommen oder bei Synästhesie – wenn also ein Sinnesreiz gleichzeitig mehrere Wahrnehmungen aktiviert. Einige Synästheten sehen Töne, andere hören Farben oder assoziieren Buchstaben mit Geschmacksempfindungen.

Bitte beachten: Der Vortrag findet statt im südpunkt, Pillenreuther Straße 147, Saal e.17 im Erdgeschoss (U-Bahn Frankenstraße), Nürnberg.

Online-Anmeldung beim BZ Nürnberg. Bitte Kurs-Nr. 00859 angeben. Es gibt noch freie Plätze!
Eintritt 7 Euro (erm. 5 Euro).

Inge Hüsgen